Mit der "Christi von der Post" machte vor fünfzig Jahren Zellers "Vogelhändler" die postalische Welt operettenfähig. Das war zu der Zeit, als man sich in Tirol noch Rosen schenkte und wußte, was das bedeuten soll. Inzwischen wurde die postalische Christi in der Gunst des Publikums von der Förster-Christi ("Herr Kaiser, Herr Kaiser, du liebe Majestät") und dann vom Schwarzwaldmädel abgelöst, das weder mit der Post noch mit dem Hof zu tun hat. Inzwischen kam auch der stumme Film, der Tonfilm, der Farbtonfilm – und nun (es wurde allerhöchste Zeit, denn die DEFA war wieder einmal zuvorgekommen) der erste westdeutsche Farbfilm. "Das Schwarzwaldmädel." Natürlich. Musik ist schön, Farbe ist schön, Operette ist schön, Schwarzwald ist schön – wie schön muß erst Operettenmusik im farbigen Schwarzwald sein! Dem konnte sich auch das Bundespostministerium nicht verschließen. Wenn ihm auch, vom Gesichtspunkt der Werbung aus, der "Vogelhändler" wohl lieber gewesen wäre, so hat es doch großzügigerweise in Stuttgart zur Uraufführung des ersten Nachkriegsschwarzwaldoperettenfarbfilms ein "Sonderpostamt Schwarzwaldmädel" eingerichtet, das auf Verlangen jedem Brief einen "Filmsonderstempel" aufdrückt. Dadurch werden die Briefmarkensammler der Filmbranche nähergebracht, und die Filmfreunde haben Gelegenheit, die Anfangsgründe der Philatelie zu lernen. Und alle zusammen können dann singen (obwohl das ein Lied aus der falschen Operette ist): "Herr Bundespostminister, du liebe Majestät!" L.