Die Umstellung des deutschen Raucherpublikums auf die American-Blend-Zigarette hat bewirkt, daß etwa 80 bis 85 v. H. aller heute im Inlande hergestellten Zigaretten dieser gewandelten Verbrauchsgewohnheit entsprechen. Das war das Hauptthema bei den Gesprächen der Internationalen Tabakwissenschaftlichen Gesellschaft, die anläßlich des Internationalen Tabak-Kongresses in Köln tagte.

Wie der Generalsekretär der Gesellschaft mitteilte, richtet sich die Arbeit der Gesellschaft neuerdings weniger auf den Rohstoff Tabak, als auf den Tabakverbraucher "Mensch"; man sprach von einer "anthropologischen Wendung" in der Tabakwissenschaft, an deren Arbeiten heute, im Rahmen der genannten Gesellschaft, die Sachverständigen aus 47 Ländern beteiligt sind. Nun ist "der Raucher" auch heute noch ein weitgehend unbekanntes Wesen, und seine Verbrauchsgewohnheiten, auf physiologischen als auch auf finanzwirtschaftlichen Grundlagen basierend, sind noch nicht ausreichend erkannt. Die Tabakwissenschaftliche Gesellschaft will mit dem Versuch, die Frage nach dem "Warum" des Rauchens zu beantworten, einen Beitrag zu einer "Soziologie der Genußmittel" leisten. Da auf dem Tabakkongreß und der angeschlossenen "Tabak-Messe" zahlreiche Tabakwissenschaftler aus dem Ausland vertreten waren, erbrachten die Verhandlungen vor allem der Wirtschaftlich-finanzwissenschaftlichen und der Medizinischen – Sektion bemerkenswerte Ergebnisse. Der in einem Referat der Wirtschaftswissenschaftlichen Sektion unternommene Versuch, die Änderung in den Verbrauchsgewohnheiten speziell mit Hilf: der physiologischen Konstitutionstheorie zu erklären, fand allerdings den Widerspruch der Wirtschaftler, die eine solche Erscheinung primir mit werbungsmäßigen und devisenpolitischen Zvangsveränderungen in Zusammenhang gebracht wissen wollten.

Die Verhandlungen spitzten sich schließlich zu der Frage "Virginia- oder Orienttabak?" zu. Bemerkenswerte Ausführungen machte hierzu Generalkonsul a. D. Haik Türkian (Hamburg), ein bekannter Vertreter der Zigarettenindustrie, der erklärte, daß zwar die Einfuhr von Orienttabaken nach Deutschland relativ frei und unabhängig von Devisenzuteilungen sei, daß aber in den Lieferländern, vor allem in Griechenland und in der Türkei, die Preise für qualitativ gute Sorten enorm hoch seien. Dazu komme noch, daß die hohe deutsche Zigarettensteuer die Industrie daran hindere, die besseren Qualitäten zu den geforderten hohen Preisen zu kaufen. Dabei seien die Lieferländer sogar noch bemüht, die Preise der für Deutschland bestimmten Tabake zu erhöhen. Für die Zukunft der Orienttabake, denen eigentlich eine spezielle deutsche Zuneigung nachgesagt wird, sei dies insofern besonders abträglich, weil Virginia-Tabak weit billiger angeboten werde.

Mit dem ersten Internationalen Tabakkongreß nach dem Kriege ist im Rahmen der Kölner Herbstmesse seit 1929 zum ersten Male eine Internationale Tabak-Messe verbunden worden, auf der alle einschlägigen Produkte vom Rohtabak bis zum fertigen Erzeugnis, sowie die meisten Waren, die in irgendeinem Zusammenhang zum Tabak stehen, wie Tabakmaschinen und Raucherbedarfsartikel, angeboten und gekauft wurden. Dü.