Der Produktionsindex der westdeutschen Spinnstoffwirtschaft hat im Durchschnitt des 1. Halbjahres 1950 den Stand von 1936 gehalten; er schwankt zur Zeit zwischen 90 und 100 v. H. des Vergleichsjahres. Die rückläufige Tendenz seit März 1950 ist eine vorübergehende Erscheinung; sie klingt allmählich ab. Die Aufträge aus dem Einzelhandel nach den meist sehr guten Ergebnissen des Sommerschlußverkaufs werden der Textilindustrie neue Antriebe geben; die Bekleidungsindustrie erwartet die rechtzeitige Auslieferung der disponierten Gewebe; der Export ist im Aufstieg begriffen; die Betriebsferien sind in der Regel zu Ende.

In einzelnen Zweigen der Spinnerei ist der Umschwung bereits zu spüren, während andere noch Einbußen in den Kauf nehmen mußten. In der Wollspinnerei scheint sich das Gewicht wieder stärker zu den Streichgarnen zu verlagern. Ein Abklingen der Kammgarnpsychöse? Eine Folge der Propaganda für den haltbaren Streichgarnanzug? Auf jeden Fall eine Ersparnis an kostbaren Devisen, wenn die Entwicklung dauerhaft ist! Die Näh- und Stopfmittel die im 1. Halbjahr erhebliche Produktionsverluste erlitten, haben offenbar ihren tiefsten Stand erreicht; die erhöhte Nachfrage besonders nach Handstrickgarnen deutet auf eine Wende hin. In der Garnverarbeitung gab die Wollweberei das Zeichen zu neuem Aufstieg. Die Baumwollweberei blieb noch rückläufig. Die übrigen Zweige der Weberei, Wirkerei und Strickerei verharrten mit geringeren Einbußen in der Stagnation. Auch hier wird das Herbst- und Wintergeschäft voraussichtlich eine Belebung bringen. In der Chemiefaser-Industrie hat sich bei unveränderter Gesamterzeugung /die Reyon-Produktion von den Rückschlägen des 2. Quartals wieder merklich erholt, während die Zellwolle etwas zur Schwäche neigte.

Insgesamt sind in der Textilindustrie zum Ausgang des Sommers die Minuspunkte noch etwas stärker als die Pluspunkte vertreten. Aber eine ganze Reihe Anzeichen des Binnen- und Außenmarktes deutet darauf hin, daß wir inmitten einer Konjunkturwende stehen, die dem Rücklauf oder der Stagnation ein Ende machen wird.

H. A. N.