An vierzehnten August sind auf Vorschlag der Sowjetunion Verhandlungen über einen neuen russisch-persischen Handelsvertrag in Teheran aufgenommen worden. Die persische Regierung hat zugleich den verschiedenen sowjetischen Protestnoten über die angebliche Tätigkeit "amerikanischer Agenten" im Grenzgebiet dadurch Rechnung getragen, daß sie allen Beratern ausländischer Staatsangehörigkeit topographische Aufnahmen aus der Luft verboten hat. Das monatelang sehr gespannte Verhältnis zwischen dem Iran und dem großen sowjetischen Nachbarn scheint einer freundlicheren Atmosphäre gewichen zu sein. Allein, es scheint nur so. Denn die jüngsten Meldungen besagen, daß es im Bereich der nordpersischen Provinz Aserbeidschan zu Kämpfen zwischen Regierungstruppen und einem aufständischen kurdischen Stamm, den Javanroudi, gekommen ist. Diese 20 000 Kurden weigern sich, die in ihrem Besitz befindlichen Waffen und Munition abzugeben. Es ist kaum zu bezweifeln, daß sich sowjetische Einflüsse hinter der kurdischen Aufsässigkeit verbergen: sowjetische Druckmittel bei den Teheraner Verhandlungen. Damit ist also statt des Friedens die kommunistische Infiltration in dem Gefahrenherd Nordwest-Persiens ins Stadium höchster Aktivität getreten. Und der unterirdische Kampf um jenen Teil der Welt, ohne dessen Erdölvorräte der Kreml wahrscheinlich niemals einen Krieg beginnen wird, ist wieder ausgebrochen.

Es scheint nicht ausgeschlossen, daß mit dem Aufstand des kurdischen Stammes auch wieder die Autonomiebestrebungen Aserbaidschans neue Nahrung erhalten, der Kampf um die Gründung der Iranisch-Sowjetischen Gesellschaft wieder auflebt und sich die verbotene kommunistische Tudeh-Partei im ganzen Lande erhebt. Die propagandistische Vorbereitung solcher Verwicklungen jedenfalls ist schon seit Monaten in vollem Gange. Die Zahl der kommunistischen Agenten ist außerordentlich angewachsen, und die Tätigkeit der beweglichen Geheimsender jenseits und diesseits der Sowjetgrenze hat eine große Intensität erlangt.

Das Propagandazentrum für die Infiltration In Asien und namentlich auch im Iran befindet sich in Taschkent, der Hauptstadt Usbekistans. Es ist bisher von der Weltöffentlichkeit nicht beachtet worden, daß dort, wie übrigens auch in Moskau, schon seit Jahren eine kommunistische Universität für die asiatischen Völker existiert. An ihr werden die Sendboten Moskaus, die Parteifunktionäre, die Partisanen und die Propagandisten für alle asiatischen Länder ausgebildet. Jährlich verlassen ungefähr 3000 Absolventen, Chinesen, Japaner, Inder, Koreaner, Perser, Araber und die Angehörigen aller übrigen Völker Asiens diese Hochschule. Zu ihren Lehrgegenständen gehören die Geschichte der Kolonialvölker, das Studium der internationalen Arbeiterbewegung unter besonderer Berücksichtigung des Streiks als Kampfmittel, der Methoden des revolutionären Kampfes, namentlich auf illegalem Gebiet. In speziellen Abteilungen werden die Wirtschaftsbedingungen in den sogenannten "kolonialen Ländern" vom Standpunkt des Marxismus und Leninimus und der Ideologie des Klassenkampfes studiert. Die Ausbildung der Propagandisten und der Agitatoren ist streng auf die jeweilige Generallinie der kommunistischen Partei ausgerichtet und von der für den Kommunismus typischen gründlichen Systematik. Es ist bezeichnend, daß der jetzige Ministerpräsident Nordkoreas, Kim-Ir-Sung, auch ein Absolvent der kommunistischen Universität in Taschkent ist. Er bildete eine Zeitlang an ihr die Koreaner aus, während er gleichzeitig Mitglied des Zentralkomitees der KP von Usbekistan war.

Jedes asiatische Land hat einen "Chefpropagandisten". Für den Iran zeichnet der turkmenische Schriftsteller Kilitsch Berdi verantwortlich. Er arbeitet eng mit dem Vorsitzenden des Schriftstellerverbandes von Tadschikistan, Mirza Tursun-Zade, zusammen, der für Indien zuständig ist, während Pakistan und Afghanistan hauptsächlich vom Leiter des Verbandes der Schriftsteller Usbekistans, Ajbek, bearbeitet werden. Die von diesen Männern gelenkten Agitatoren treten meist als sogenannte Wanderprediger – "Kalendars" auf. Ihre gefährlichste Waffe ist die Flüsterpropaganda, die sie mit religiösen Formeln verbrämen. Die Tarnung ist so ausgezeichnet, daß diese Agenten von den Scharen der gewöhnlichen, umherziehenden Bettelmönche und Wanderprediger kaum zu unterscheiden sind.

Auf lange Sicht ist für Persien natürlich der beste Schutz gegen Infiltration dieser Art die Durchführung umfassender sozialer und wirtschaftlichen Reformen, deren das Land so dringend bedarf, Mohammed Riza Schah hat einen Tag nach Ausbruch des Korea-Konfliktes einen der tatkräftigsten Männer des Landes, den bisherigen Generalstabschef der iranischen Armee, Razmara, mit der Führung der Regierung beauftragt. Die neue Regierung wird nicht nur vom Vertrauen des Parlaments getragen; auch die breiten Massen in Stadt und Land hoffen, daß die Vorherrschaft skrupelloser Geschäftemacher, engstirniger Großgrundbesitzer und nur auf ihren Vorteil bedachter Stammesfürsten nach und nach gebrochen werden wird und der große Siebenjahresplan mit seinen politischen und wirtschaftlichen Reformen jetzt vorankommt. Die Finanzierung der Reformen wird die Regierung teilweise aus den erhöhten Pachtgebühren der Anglo-Iranian Oil Company bestreiten können. Darüber hinaus dürfte aber ihr Finanzminister, Dr. Tagh Nasr – nach Razmara die markanteste Persönlichkeit im Kabinett – Kredite bei der Weltbank in Washington flüssig machen müssen, an der er selbst längere Zeit tätig war.

So wichtig die amerikanischen und englischen Erklärungen über die Garantie der persischen Unabhängigkeit sind, die – zusammen mit dem Washingtoner Abkommen über gegenseitige Verteidigungshilfe vom Mai dieses Jahres – einen gewissen Schutz gegen einen direkten sowjetischen Angriff bedeuten, so bleiben sie doch auf die Dauer wirkungslos, wenn es dem Lande nicht gelingt, den eigenen persischen Anstrengungen zum Erfolg zu verhelfen. Nur dann wird die persische Regierung in der Lage sein, der Wühlarbeit der Tudeh-Partei, aller kommunistischen Agenten und Separatisten Herr zu werden!

Nikolaus Eck