Die festlichen Veranstaltungen anläßlich des 25jährigen Jubiläums der deutschen Ford-Gesellschaft liegen nun schon einige Wochen zurück. Und die Messehallen am Rhein, in denen man während des Sommernachtsfestes erleben konnte, daß das arbeitsame Ford-Völkchen auch einmal Feste zu feiern versteht, haben längst wieder repräsentative Pavillons und Ausstellungsstände aufgenommen ...

Heute arbeiten im Kölner Ford-Werk 4500 Arbeiter und Angestellte. Dieses Werk aber ist wertmäßig am deutschen Ford-Wagen nur zu 30 v. H. beteiligt. Das Schwergewicht liegt bei den Lieferfirmen; ihre Erzeugnisse machen etwa 70 v. H. vom Wert eines Ford-Wagens aus, und so kommt es, daß durch Ford direkt und indirekt in Deutschland rund 80 000 Menschen ihren Arbeitsplatz haben.

Das war nicht immer so. Als man in Deutschland begann – es war am 18. August 1925 – hatte die "Ford-Motor-Company" in Berlin, Unter den Linden, ein Büro, unter dem sich einige repräsentative Ausstellungsräume befanden. Dort stand "Lizzi" oder das "Blechlieschen", wie dieses Ford-Modell in Berlin sehr bald hieß. Und natürlich, rümpften einige Berliner auch die Nasen: Gut und schön, aber "Lizzi" paßt nicht Unter die Linden! Doch schließlich konnte Ford ihretwegen nicht zum Schlesischen Bahnhof ziehen. Man blieb wo man war. In dem Berliner Büro saßen damals neun Mann. Zwei von ihnen sind heute noch im Kölner Werk tätig. Es sind der heutige Generaldirektor Erhard Vitger und der jetzige zweite Verkaufsleiter Willy Schmidt. Vitger zählte damals kaum 27 Jahre, als er in Berlin die Prokura übernahm. Und dabei hatte er schon fünf Ford-Jahre hinter sich, alldieweilen er 1920 bei Ford in Kopenhagen als Buchhalter begann.

In gemieteten Hallen am Berliner Westhafen errichtete Ford dann ein Montagewerk, wo am 8. April 1926 der erste aus eingeführten Teilen hergestellte Ford-Wagen vom Band lief. 1929 plante man aber bereits den Bau eines eigenen Werkes. Hierfür bot die Stadt Köln mit einem Grundstück, das direkt am Rhein lag und Verschiffungsmöglichkeiten einschloß, die besten Bedingungen. Dr. Konrad Adenauer, damals Oberbürgermeister der Stadt Köln, legte gemeinsam mit Henry Ford im Oktober 1930 den Grundstein zu diesem Werk, aus dem schon sechs Monate später der erste Lkw. vom Montageband rollte. Seit der Gründung hat Ford in Deutschland bis jetzt 322 000 Automobile gebaut. Und heute verlassen täglich 140 Wagen die weiten Montagehallen am Rhein. Willy Wenzke