Stockholm, im September

In diesem Jahre hat der Wahlkampf in Schweden eine sportliche Note: die Parteien messen ihre Kräfte in Rededuellen; jeweils zwei hervorragende Redner von zwei verschiedenen Parteien. Eine Art verbessertes Hyde-Park-System. So trat der Ministerpräsident Erlander als Vertreter der Sozialdemokratischen Partei gegen den führenden Mann der Konservativen Jarl Hjalmarson im Vasa-Park in Stockholm auf. Nach vorher vereinbarten Spielregeln bekam jeder Redner die gleiche Zeit, etwa 20 Minuten. Danach folgten abwechselnd je zehn Minuten gegenseitiger Kritik, bis drei Stunden, um waren.

Die Wähler bekommen durch solche Wahlduelle ein lebhaftes und vielseitiges Bild. Es geht um harte, trockene, materielle Tatsachen. Um Steuern, Wohnungsbau, Löhne und Preise und Urlaubszeiten, aber das Publikum folgt diesen Diskussionen gespannt wie einem Fußballkampf. Faire und unfaire Fragen und Antworten machen tiefen Eindruck. Den Höhepunkt bildet schließlich unmittelbar wor-der Wahl eine große Debatte im Rundfunk, wo sämtliche Parteien nacheinander zu Worte kommen und bis Mitternacht debattieren. In diesen Stunden lauschen praktisch alle Wähler an ihren Lautsprechern. Denn hier haben sie einmal Gelegenheit, sich ein Bild von ihren Politikern zu machen, B. P.