Da Amerika das Land ist, das den Frauen am meisten entgegenkommt, wird man dort nicht müde, dem zarten Geschlecht immer neue Ovationen zu machen. Wie gut, daß die Amerikaner in der Technik so fortschrittlich sind; so geraten sie in ihrem Drang zur Politesse nicht so leicht in Verlegenheit. Jetzt schicken sie sich gerade an, auch das Fernsehen als stummen Diener einzusetzen. Das Einkaufen soll noch bequemer werden –: Madame Smith wird künftig im Parterre der großen Warenhäuser Platz nehmen, farbig die Schätze der oberen Stockwerke fernsehen, auswählen, zur nahen Kasse schreiten und dann den Rollschinken, die Geburtstagstorte und sogar den Stoff zum neuen Abendkleid handlich verpackt nach Hause tragen, sofern sie ihn nicht vorher anzufassen wünscht.

Die deutsche Hausfrau nähme wahrscheinlich auch den Rollschinken lieber ohne technische Zwischenschaltung zunächst in Augenschein. Ihre Gründlichkeit – es sollte ganz offen zugegeben werden – würde sie dazu treiben. Allerdings, seit in Westdeutschland über 700 000 Frauen mit ihren Männern Geld verdienen müssen, bleibt vielen nicht mehr die Kraft und die Zeit dafür, vorbildliche Hausfrau zu sein. So wären auch bei uns mehr von jenen stummen Dienern am Platze, den Maschinen, die getreulich Staub entfernen, Wäsche säubern, Gemüse putzen, zerkleinern, reiben, Teig rühren und Eier schlagen. Zwar ist die Technik auch in Deutschland rege, aber die Apparate sind erheblich teurer als in Amerika. Und der deutsche Ehemann und Haushaltungsvorstand scheint kein besonderer Freund von Abzahlungsgeschäften zu sein. Jedenfalls steht die deutsche Butter durchaus nicht immer im Kühlschrank, der in Amerika den Grundstein jeden Haushaltes bildet. Bei uns entspräche dem etwa der Besen –: staubzusaugen ist auch noch lange nicht die ultima ratio im Durchschnittshaushalt.

Und wenn der Vertreter für elektrische Waschmaschinen erscheint, mit Prospekten in der Mappe, auf denen Taucherglocken ähnliche Gebilde blütenweiße Wäsche garantieren und der Waschtag wie ein Sanatoriumsaufenthalt gepriesen wird, so erregt der Preis Schwindelgefühle trotz "schnellster Amortisation bei mehrjähriger Garantie"! Es gibt aber auch schon etwas viel weniger Pompöses, dreimal Patentiertes, etwas, womit selbst Kinder große Wäsche halten können. Es ist ein aus neunzehn Einzelteilen zusammengebauter Rippenkörper mit Saug- und Druckpumpe, Schaumerzeuger, vollautomatischem Auftrieb und Kompressorrohr im Innern, gekrönt von einem Hartholzstiel mit Griff. Dieser einfache Apparat kostet nur 35 D-Mark und kann mit der Muskelkraft der zartesten Frau bedient werden. Er beweist: nicht die Vollmotorisierung ist das höchste, ohnehin unerreichbare Glück, sondern die unkomplizierte, billige und wirklich zeitsparende Apparatur.

Wie hübsch und appetitlich sah die Küche aus, in der Katherine Hepburn in dem Film "Die Frau, von der man spricht" das Versöhnungsmahl für ihren Gatten kochen wollte. Aber sie schaffte es nicht, weil sie den Mechanismus der elektrischen Geräte nicht kannte. Ergo: auch der motorisierte Haushalt setzt Kenntnisse voraus. Auf Haushaltsmessen wird neuerdings ein wahrer Wunderapparat angeboten. Legt man zum Beispiel eine Zitronenscheibe in das Glas, das mit einem gleich hohen metallenen Sockel verbunden ist, und schaltet den Strom ein, so entsteht in weniger als einer Minute Zitronensaft, in dem sich auch Schale und Fruchtfleisch vollkommen aufgelöst haben. Der Saft reicht für ein Glas Limonade, wozu man sonst mindestens eine halbe Zitrone braucht. Die Begeisterung steigt, wenn man das ganze Wunder dieser Mixmaschine kennenlernt. In der Küche, in der sie steht, wäre außer Herd, Geschirr und einigen Kochtöpfen anderes überflüssig. Der Wundermixer (mit verschiedenen Aufsatzgeräten) schafft alles spielend: in einer Minute Eierlikör, in fünf Minuten Hefeteig, in zwei Minuten stocksteife Schlagsahne. Die Kaffeebohnen werden zum feinsten Neßkaffee atomisiert. Aber der Preis! Wer kann dafür fast 500 D-Mark anlegen? Mixer ade – wir müssen den Rotkohl weiter mit der Hand schneiden.

So geht es, wenn man endlich die Möglichkeit hätte, sich dem internationalen Küchenkomfort zu nähern. Bei uns drängen sich die Frauen um die Straßenhändler, die Haushaltswunder zwischen fünfzig Pfennig und zwei Mark anbieten: neue Möbelpolitur, la Sparschäler, den letzten Tip zum keimfreien Einmachen. Bescheiden wählt man einen Mixbecher aus durchsichtigem, gerilltem Material, der eine Mark beim fliegenden Händler und zwei Mark im Geschäft kostet. Mit seiner Hilfe kann man Mehl und Wasser zum Anrühren der Soße spielend klümpchenfrei vermischen. Auch andere Mixturen bewältigt er schnell, schlägt Eierschnee und Schlagsahne und wird als Kleinstwaschmaschine für Nylonstrümpfe gepriesen. Eine probate Apparatur für bescheidene Ansprüche, die reißenden Absatz findet. H. S.