Berlin, im September

Im Berliner Hebbel-Theater stellte Willi Schmidt "Die Gerechten" von Albert Camus zur Diskussion. Das Berliner Publikum lehnte das Stück des Franzosen, dessen "Caligula" es vor zwei Jahren lebhaft anerkannt hatte, mit isiger Kälte ab. Das muß an Camus und am Regisseur, der zugleich einer der phantasievollsten Bühnenbildner ist, zu gleichen Teilen gelegen haben. Denn anstatt eines Dramas erignet sich in diesem Werk nur eine Debatte um den politischen Mord. Anders als Sartre in seinen est zupackenden "Schmutzigen Händen" ist Albert Camus mehr der dialektischen Erörterung Als der schneidenden Auseinandersetzung ergeben, auch der historisch beglaubigte Stoff gibt kaum das Material für eine szenische Verlebendigung mit aktueller Bedeutung her. Der Dichter knüpft in ein geschichtliches Sujet an: den Mord, den 905 eine Gruppe russischer Sozialrevolutionäre am Großfürsten Sergius, dem Gouverneur von Moskau, verübte. Unter den verschiedenen Typen der Revolutionäre, die Camus auf die ühne stellt – den finsteren Hasser, den schwärmerischen Jüngling, den von Ängsten und Unsicherheiten gepeitschten Adepten, den mechaisch Organisierenden und die zwischen Auftrag in Neigung pendelnde Frau – fehlt gerade Die Gestalt, die Revolutionen von heute erstarren läßt: der Funktionär. Mag sein, daß auf dem heißen Boden Berlins die Entrückung des