Donaueschingen, im September

Was Paul Hindemith, Richard Strauß undandere in den zwanziger Jahren der Stadt Donaueschingen mit auf den Weg gaben, nämlich Mittler zu sein zwischen den neuesten Werken lebender Komponisten und der Öffentlichkeit, war auch der Leitgedanke der Musiktage in diesem Jahr. Von den deutschen Komponisten lenkte der in Freiburg wirkende Harald Genzmer mit einer fugenartig ineinandergreifenden, rhythmisch mitreißenden Sonate für zwei Klaviere besondere Aufmerksamkeit auf sich. Sie verwirklicht in ihren vier Sätzen ein in sich gefestigtes, echtes Lebensgefühl. Eine Überraschung war der Besuch des in Frankreich lebenden russischen Komponisten Alexander Tscherepnin, der am Flügel seine Suite für Klavier’ in fünf Sätzen intonierte. Tscherepnin, Vertreter der Neun-Ton-Skala und bekannt geworden mit Opern und Bühnenmusiken, schuf, hier ein ganz impressionistisch wirkendes, temperamentvolles Kabinettstück eben echter Kammermusik.

Der Stuttgarter Bruckner-Chor brachte ein neues Werk des schwäbischen Komponisten Otto Erich Schilling "Kammerlieder nach Art alter Villanellen" für a-cappella-Chor. Stilistisch weisen sie in die Bezirke altitalienischer Straßenlieder. Aus der Gilde der jüngeren italienischen Komponisten kam Luigi Dallapiccola zu Wort mit ausdrucksstarken, ebenfalls an großen italienischen Vorbildern des 17. Jahrhunderts orientierten Chören. Entschieden problematischer wirkten die Kompositionen für einen größeren Klangkörper, (den in Donaueschingen das Südwestfunk-Orchester unter der Leitung von Hans Rosbaud stellte), besonders Giselher Klebes "Zwitschermaschine". Das Werk dieses jungen Komponisten, das eine Art musikalischer Nachbildung des gleichnamigen Aquarells von Paul Kies darstellt, führt in den Bereich des reinen Experiments. Repräsentativer fügte sich die Uraufführung der zweiten Sinfonie aus einem Satz von Karl Amadeus Hartmann in den Rahmen. Melos aus dem Geist der Zeit bot Wolfgang Fortners "Fantasie über B-a-c-h". Den krönenden Schluß bildete die Neufassung des "Feuervogels" von Strawinsky als Beispiel meisterlicher Rate W. S.