Frankfurt hat seine Stellung als internationale Messestadt diesen Herbst erneut festigen können: Bei einer Gesamtzahl von 3030 Ausstellern waren 751 ausländische Firmen aus 22 Ländern Europas und aus Übersee vertreten. Erstmals waren Aussteller aus Irland, Spanien, Portugal, der CSR, Griechenland, Mexiko, dem Iran und der Türkei dabei. Die von den deutschen Kaufleuten gehegte Hoffnung, daß sich die Frankfurter Herbstmesse als ein starker Exportfaktor erweist, dürfte sich ebenso erfüllt haben wie der Wunsch der ausländischen Aussteller, auf dem deutschen Markt stärker vertreten zu sein.

Die den ausländischen Ausstellern bewilligten Messesonderkontingente, die voll ausgenutzt wurden, belaufen sich auf über drei Mill. davon eine Mill. für Lebens- und Genußmittel sowie Getränke und zwei Mill. für Industrieerzeugnisse. An diesen Dollars waren beteiligt: Italien mit 800 000, Belgien 650 000, Jugoslawien 400 000, Großbritannien und die Schweiz mit je 250 000, Irland 240 000, Frankreich 150 000, der Iran, die Türkei, Ungarn und Schweden mit je 100 000, Spanien 85 000, die Länder des Sterlingblocks 50 000 und die CSR 30 000 Italien, das in erster Linie Textilien, Obst, Konserven, chemische und pharmazeutische Produkte anbot, nahm den größten Raum ein. Jugoslawien folgte mit Lebensmitteln, Gewürzen, Tabak und Holzerzeugnissen. Frankreich wartete bei 62 Ausstellern hauptsächlich mit Textilien, Lebensmitteln, Kosmetika und afrikanischen Lederwaren auf.

Ein universales Warenangebot wurde von den deutschen Ausstellern offeriert. Der Auftrieb für die deutsche Bekleidungs- und Textilindustrie, der sich durch ausreichende Rohstoffe ergeben hat, kam auf der Messe sehr zum Ausdruck: von den mehr als 2000 deutschen Ausstellern kamen 565 aus der Textil- und 120 aus der Lederbranche. Auch diesmal behauptete sich wieder die optische und die phototechnische Industrie mit ihren Markenerzeugnissen, obwohl das Hauptgewicht dieser Zweige bei den Frühjahrsmessen liegt. Für die chemische und Kleinmaschinenindustrie ergaben sich zufriedenstellende Verkaufsabschlüsse.

Die Preisgrenzen waren durch einen lebhaften Wettbewerb in allen Wirtschaftssparten bestimmt und ließen eine sorgfältige Kalkulation erkennen. Wer vielleicht doch spekulieren wollte, hat seine Ansicht rechtzeitig revidiert; denn Prof. Erhard hatte am Vorabend der Eröffnung – unmißverständlich – verlauten lassen, daß er genügend marktkonforme Mittel in der Hand habe und anzuwenden gewillt sei, um Übertreibungen zu unterbinden. (Die Häutespekulanten haben es schon empfindlich zu spüren bekommen.)

Vereinzelt mußten Verkaufsabschlüsse mit unbestimmten Lieferterminen erwogen werden. Gemessen an der Zahl der Aussteller nahm auch die der Messebesucher erheblich zu. Wenn die Messen in den ersten Jahren nach dem Kriege noch als Experimente anzusprechen waren, so darf die Frankfurter Herbstmesse 1950 nun aber als ein hervorragendes Beispiel für die Leistungsfähigkeit der deutschen Wirtschaft gewertet werden. Der Ansicht war auch Mr. Buttenwieser, McCloys Stellvertreter. Und dieser Mann kennt die Märkte der Welt. ge.