Jeder Versicherungszweig durchlebt seine Krisen. Für die Private Krankenversicherung (PKV) war die zur Zeit im Abklingen begriffene Krise die schwerste seit ihrem Bestehen. Die ihr zugrunde liegenden Ursachen sind zu mannigfaltig und schwerwiegend., am sie kurzfristig belieben zu können. Der durch Krieg und Nachkriegsfolgen sehr gelittene Gesundheitszustand der Bevölkerung und deren starke Überalterung werden Doch lange fühlbar bleiben. Die Auswirkungen einer harten Währungsreform lassen sich nicht von heute auf morgen ausgleichen. Durch die Vielzahl der Ärzte ist ein Problem gegeben, das nur lösbar erscheint, wenn der Kreis der Privatversicherten eine Erweiterung erfährt. Nach wie vor feststellbar ist eine Verteuerung verschiedener Medikamente und Hilfsmittel, obgleich diese ihren Seltenheitswert längst verloren haben. Besonders gravierend ist eine zum Teil unvertretbare Erhöhung der Krankenhaussätze.

Wiederholt sind vorstehende Faktoren in Presse und Rundfunk mit vielem Verständnis erörtert worden, um nicht zuletzt auch Ärzten und Versicherten nahezulegen, sich ernsten Betrachtungen und Überlegungen hinzugeben.

Das Jahr 1949 legte der Privaten Krankenversicherung ein Maß an Belastungen auf, das sich in einer noch nicht beobachteten Schadenhöhe auswirkte. Infolge der Währungsreform waren die Reserven, durch deren unverzügliche Heranziehung man der Flut leichter hätte Herr werden können, stark zusammengeschmolzen Dem natürlichen Verlangen der Unternehmungen auf Lombardierung oder Verkauf eines Teils der Ausgleichsforderungen begegneten die zuständigen Stellen mit einer Zurückhaltung, die in Anbetracht der bestehenden Schwierigkeiten schwer verständlich bleiben wird. Die Gesellschaften standen daher durchweg vor der problematischen Aufgabe, den hohen Schadenanfall ihrer rund 8,5 Millionen Versicherten aus den laufenden Einnahmen zu decken. Nach den Veröffentlichungen des Verbandes der Privaten Krankenversicherung betrug die Durchschnitts-Schadenquote im vergangenen Jahr rund 80 v. H. Daß bei dieser Beanspruchung nicht die erforderlichen Alterungs- und Sterbegeldrückstellungen gebildet werden konnten, bedarf keiner Erwähnung.

Um das gestörte Gleichgewicht zwischen Beiträgen und Leistungen wiederherzustellen, gingen zahlreiche Unternehmungen dazu über, Beitragserhöhungen durchzuführen, denen ein voller Erfolg aber versagt bleiben mußte. Es liegt in der Natur dieser unpopulären Maßnahme, daß das Verständnis der Versicherten mit großer Schadenhäufigkeit ohne weiteres zu erzielen ist. Der Teil der Versicherten aber, dem der Wert einer Krankenversicherung praktisch noch nicht bewiesen werden konnte, will die Notwendigkeit einer Beitragserhöhung nicht ohne weiteres anerkennen. Er empfindet sie häufig als eine unbillige Maßnahme seiner Versicherung, der er das Vertragsverhältnis daher aufkündigt.

Es ergab sich also ein Ausleseprozeß, der in den letzten Jahren bereits zweimal eine entscheidende Rolle spielte. So fanden nach dem Zusammenbruch zuerst die Kranken zu ihrer Versicherung zurück. Einen weiteren Ausleseprozeß mit ungleich größeren Auswirkungen verursachte die Währungsreform, als im Zeichen der Kopfgeldquote ein außergewöh licher Abgang guter Risiken hingenommen weilen mußte, der leider auch im Jahre 1949 noch festzustellen war. Starke Berufsumschichtungen haben zweifellos zu diesen Bestandsverlusten beigetragen. Nicht zuletzt ist der Abgang in der Erhöhung der Versicherungspflichtgrenze zu sieben, die zu einer zwangsweisen Abwanderung unserer Versicherten zur Sozialversicherung geführt hat.

Es ergab sich somit die zwingende Notwendigkeit, auf einen Ausgleich hinzuarbeiten, was auch erfolgreich geschehen konnte, da das Bedürfnis nach einer Krankenversicherung nie größer war als in den Jahren nach der Währungsreform. Trotz des übernormal hohen Abganges erhöhte sich der Bestand im Jahre 1949 um 48 253 Personen, wodurch die Private Krankenversicherung heute bereits jeden fünften Bewohner des Bundesgebietes zu betreuen hat.

Die hier skizzierte ungewöhnliche Entwicklung muß man sich vor Augen halten, wenn man den Leistungen der Privaten Krankenversicherung gerecht werden will. Sie zeigt den erstaunlichen Wagemut der Selbsthilfeeinrichtungen, der das große Risiko eines ungünstigen Schadenverlaufs bei einer solchen Massenbeanspruchung nicht scheut, um volkswirtschaftlich wertvolle Dienste zu leisten.