DIE ZEIT

In den Wind geschrieben ...

Fest entschlossen, offene Worte über den Eisernen Vorhang hinweg zu wechseln, sozusagen eine Luftbrücke neuer Art aus Zeilen, aus lauter bleigegossenen Zeilen, zu konstruieren, hätte sich der Mann, der als demokratischer Wortführer aufzutreten wünschte, vielleicht des Näheren erkundigen sollen, wer der Herr am anderen Ende sei.

Die Waffen des Westens

In feierlichen Erklärungen bezeichneten Regierung und Parlament in der vergangenen Woche die am 15. Oktober in der Sowjetzone stattfindende Wahl als „ungesetzlich und nach demokratischem Recht null und nichtig“.

Deutscher Tito-Kredit

Es scheint, daß die Deutsche Bundesrepublik Jugoslawien einen mittelfristigen Warenkredit von 35 Millionen Dollar, das sind rund 150 Millionen D-Mark, gewähren wird.

Soll man die KPD verbieten?

Wäre es angesichts der vom Kreml drohenden Gefahr nicht das Beste, die Kommunistische Partei in der Bundesrepublik zu verbieten und jede weitere kommunistische Tätigkeit in Westdeutschland streng zu bestrafen? Wenn man einen glimmenden Brand austreten kann, was hat es für einen Sinn, tatenlos zu warten, bis er zu einem alles verzehrenden Feuer geworden ist? Diese Fragen werden heute bei uns im freien Deutschland häufig gestellt.

Konstruktives Mißtrauen

Ob der nordrhein-westfälische Landtag in der heutigen Situation auch noch das „konstruktive Mißtrauensvotum“ in die Verfassung hereinnehmen würde (wie er es vor einigen Monaten tat) ist zum mindesten fraglich.

Die Blitze über Korea erleuchteten die Welt

Wie irrsinnig ist diese Welt, in der wir leben! Der Kreml, der oft genug bewiesen hat, daß sein einziges Interesse darin bestellt, Unruhe, Streiks, Aufstände und Bürgerkriege anzuzetteln, spricht seit Wochen in der Prauda und den Sendungen der TASS von nichts anderem als vom Frieden, spricht von der „Stockholmer Friedensresolution“, spricht von den neuen gigantischen Plänen, das größte Wasserwerk der Welt in Kubyschew zu erbauen, spricht von der Aufforstung und Bewässerung riesiger Gebiete, von dem kommenden Paradies der friedliebenden Sowjetnation.

DIE WOCHE

Vor jeder Hilfeleistung an die Kommunisten in Korea haben die USA die Nachbarn Nordkoreas dringend gewarnt. Staatssekretär Dean Rusk, der Leiter der Fernost-Abteilung im US-Außenministerium, erklärte in einem Rundfunk-, Interview, die USA hofften, daß sich niemand durch die UNO-Offensive in Korea „zur Intervention auf seiten Nordkoreas verleiten“ ließe.

Wachablösung in Washington

Ein starker Mann erschien in Washington: der neue amerikanische Verteidigungsminister George C. Marshall, der am 19. September sein Amt antrat, und – die Ära des „starken Mannes“ Louis A.

Das zwölfte Land

Endlich ist Berlin den übrigen elf Ländern gleichgestellt, nachdem Bonn sich zum ersten Male bereit erklärt hat, den größten Teil der Berliner Soziallasten zu übernehmen.

Doyen der Völkerrechtler

Wer philosophiert, muß auch möglichst viel wissen, gesehen, erlebt haben, über was er philosophieren kann“ – so hat Erich Kaufmann einmal gesagt und dabei die Rechtswissenschaft davor gewarnt, sich einer „von den Realitäten des gesellschaftlichen und politischen Lebens isolierten unfruchtbaren Selbstgenügsamkeit“ hinzugeben.

Englands Burgfrieden bedroht

Niemand verstand, warum Attlee am vorigen Donnerstag im Unterhaus den Beschluß der Regierung verkündete, die Verstaatlichung der Stahlindustrie in Angriff zu nehmen.

Gottes Utopia

Das Düsseldorfer Schauspiel beweist zunehmende Aufgeschlossenheit für die Thematik der Gegenwart, Dabei nimmt man den Mangel an dramatisch zwingenden Gestaltungen in Kauf und spielt getrost dialogisierten Roman (Kafkas „Prozeß“) oder eine „Tragödie“ – Gottes Utopia – die eine Novelle von Stefan Andres ist.

Die Vollbeschäftigung

In einem Brief an die "Zeit" (Ausgabe vom 14. September 1950) hat ein Engländer in Deutschland zu dem Aufsatz "Selbstmord am Vorabend der Entscheidung" Stellung genommen.

Fest für ein Theater

Die Fünfzig-Jahr-Feier des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg war mehr als ein lokales Ereignis, weil diese Bühne 1900 gegründet worden ist, um auf das gesamte deutsche Theater auszustrahlen, und weil deswegen Anlaß gewesen wäre, zu prüfen, warum der Abstand zwischen Auftrag und faktischer Bedeutung vom ersten Jahrzehnt (dem Direktorat Alfred von Bergers) bis heute immer mehr zugenommen hat.

Verlorene Liebesmüh’ um Bao Dai

Soll Indochina ein zweites Korea werden? Die letzten Nachrichten aus Ostasien lassen dies befürchten. Rotchinesische Waffenlieferungen an den Viet-Minh, die annamitische Unabhängigkeitsbewegung in Indochina, und Truppenkonzentrationen in Südchina auf der einen, amerikanische Waffenlieferungen an Bao Dai auf der anderen Seite –: das sind die Indizien.

Genossen, Galgen und Glückwünsche

Daß ein verunglückter Gegner Glückwünsche erhält – das zu sehen, macht heute in Rom manches sonst ruhige Herz heiß im Kalten Krieg.

Erneuerte Tradition

Was Paul Hindemith, Richard Strauß undandere in den zwanziger Jahren der Stadt Donaueschingen mit auf den Weg gaben, nämlich Mittler zu sein zwischen den neuesten Werken lebender Komponisten und der Öffentlichkeit, war auch der Leitgedanke der Musiktage in diesem Jahr.

Dialektik der Revolution

Im Berliner Hebbel-Theater stellte Willi Schmidt „Die Gerechten“ von Albert Camus zur Diskussion. Das Berliner Publikum lehnte das Stück des Franzosen, dessen „Caligula“ es vor zwei Jahren lebhaft anerkannt hatte, mit isiger Kälte ab.

Gleiches Recht für Pensionäre?

Von der Bundesregierung sind dem Bundestag zwei Gesetzentwürfe vorgelegt worden, die man scharf auseinanderhalten muß, wenn man die Rechtsverhältnisse der ehemaligen Berufssoldaten klären will.

Notizen

Mit einer offiziellen Feierstunde wurde das Deutsche Theater in Göttinnen eröffnet. Die neue Spielzeit begann mit einer Aufführung von Shaws „Heiliger Julianna“ mit Hilde Krahl in der Hauptrolle.

Glanz des Mittelalters

Schloß Cappenberg ist für uns Museumsleute ein kleines Wunder. In den Großstädten klagen wir, namentlich in den Sommermonaten, über oft allzu geringen Besuch unserer Sammlungen.

Amnestie – Urform des Rechts

Die Amnestie ist eine der großen Urformen des Rechts. Es geht hier unbedingt um etwas Notwendiges, das zugleich etwas überaus Schwieriges ist.

Die große Verpflichtung

Hindemith feierte Bach Die zahlreichen Jubiläumsveranstaltungen zum Bach-Gedenkjahr in Westdeutschland haben sehr verschiedene Gesichter und sehr unterschiedliches Gewicht.

Gefährdetes Lebenswerk

Es ist ein erregender Vorgang, von einer bisher nur geahnten Größe plötzlich die Umrisse zu erblicken, ihre scharf sich abzeichnende Gestalt unmittelbar vor sich auftauchen zu sehen.

Der Junker und der Tiger

Scheng verliebte sich in eine Kurtisane, die man Lilie nannte. Er wollte Lilie von ihrer Pflegemutter loskaufen, aber der Preis war so hoch, daß Scheng sich seinen Wunsch nicht erfüllen konnte.

Europa bilanziert

Die Stabilisierung der westeuropäischen Wirtschaft ist eines der Ziele des Marshall-Plans, Sie ist die Voraussetzung für jene Gesundung der sozialen und wirtschaftlichen Lebensbedingungen, von denen man sich eine Immunisierung Westeuropas gegen die kommunistische Gefahr erwarten darf.

Wo blieben die Rüstungsmilliarden?

Der frühere US-Verteidigungsminister James Forrestal verlor Amt, Nerven und Leben, als sein Rüstungsbudget von 21 Mrd. $ von Präsident und Kongreß abgelehnt wurde, das er als Minimum gefordert hatte, um die amerikanischen Verpflichtungen in einer bedrohten Welt erfüllen zu können.

Eigentum – das nur kostet

Der Zentralverband der Haus- und Grundbesitzer hielt in Wiesbaden seinen Verbandstag ab; eingeleitet von einer Arbeitstagung, auf der Sachverständige Einzelprobleme erörterten, beschlossen mit einer Kundgebung im bischöflichen Schloß in Mainz.

Kravag-Gründung

Den Protesten des Kraftverkehrsgewerbes gegen die Prämienerhöhung der Kfz.-Versicherung ist sehr schnell eine einschneidende Gegenmaßnahme gefolgt: in Düsseldorf wurde der Versicherungsverband des Deutschen Kraftverkehrs VV.

Für zehn Mark im Jahr...

Die wirtschaftliche Bedeutung der Sachversicherung wird leicht unterschätzt, weil im Gegensatz etwa zur Lebens-, zur Kranken- oder zur Kraftfahrt-Versicherung ihre Zahl der Sachschäden, gemessen an dir Zahl der Versicherungsverträge, relativ, klein ist.

Die Schäden wachsen

HU K: da i heißt in der „V ersieherung:spracbe" also Haftpflicht, Unfall, Kraftfahrzeugversicherung Über die Lage dieifr Versicbeningszweige berichtet im Folgenden der Direktor des HUK Verbandes, Reg fyt a, D. P.

Frankfurt: solides Geschäft

Frankfurt hat seine Stellung als internationale Messestadt diesen Herbst erneut festigen können: Bei einer Gesamtzahl von 3030 Ausstellern waren 751 ausländische Firmen aus 22 Ländern Europas und aus Übersee vertreten.

Neue Produktion

Die BÜSSING-Nutzkraftwagen-GmbH. Braunschweig, hat am 12. September den Bau des 10 000. Wagens ihrer Nachkriegsfertigung beendet.

Bayern als Gäste

Man muß dem Übersee-Club in Hamburg Dank sagen für die ausgezeichnete Idee, einmal einen erwählten Kreis von Wirtschaftsredakteuren und Journalisten der führenden Zeitungen Bayerns nach Hamburg einzuladen.

Grüne Woche in Rendsburg

Wieder war Rendsburg, diese reizvolle Kreisstadt Schleswig-Holsteins, für eine Woche in ein Meer von Blumen, Girlanden und Fahnen getaucht.

Tabak will auch Europa-Plan

Ir Amsterdam wird 1951 ein Tabak-Weltkongreß stattfinden. Um zu dieser Tagung vorbereitet zu sein, haben die Europäer dieser Tage in Rom ihren regionalen Kongreß abgehalten.

Leistungsfähiger werden!

Die Bergbautagung 1950 in Essen, der größten Kohlenstadt des Kontinents, hatte (vom 14. bis 16. September) alles versammelt, was im westeuropäischen Steinkohlenbergbau Rang, Namen und Verantwortung trägt.

Paradoxes Brennstoffsparen

In Verbindung mit der Deutschen Industrie-Ausstellung findet am 2. und 3. Oktober in Berlin eine Diskussionstagung zu dem Thema „Wirtschaftsgut Wärme“ statt.

Der Krieg als Kulisse

Und wieder muß von Remarque gesprochen werden. Nach der „Haut“ des patriotischen Spötters Malaparte und den „Nackten und den Toten“ des schokierenden Amerikaners Norman Mailer ist nun auch das „Weekend a Zuydcoote“ Robert Merles in Deutschland erschienen („Wochenend in Zuidcoote“, Biederstein Verlag, München, 273 Seiten).

Gebet vor dem Feuerofen

Das theologische Fachgespräch über die Una Sancta ist im vollen Gange. In Zeitungen, Zeitschriften, Broschüren und Büchern verbreiten sich Vertreter der beiden großen christlichen Konfessionen in Deutschland über die Möglichkeit der Wiederannäherung, beziehungsweise die Wiedervereinigung zu der einen, alle Gläubigen umfassenden Kirche.

Stufen des Verständnisses

Die Grundlage der Kritik ist die Befähigung, aus vielen Gedichten ein gutes herauszufinden und ein schlechtes Gedicht zu verwerfen; und ihre strengste Erprobung besteht in ihrer Befähigung, ein gutes neues Gedicht zu finden, in rechter Weise auf eine neue Situation zu reagieren.

Die Frankfurter Buchmesse 1950

Als 1948 der Eiserne Vorhang zwischen West- und Mitteldeutschland niederging und auch kein schmaler Spalt zum Austausch von Büchern und Zeitschriften offen blieb, wurde der westdeutsche Verlag auf einen neuen Weg gezwungen.

Das Blut der Tatsächlichkeit

Oswald Spengler hat einen Stoßkeil in das geschichtliche Denken der Europäer getrieben. Das, und nicht die Aufstellung einer haltbaren Geschichtsansicht, ist seine kopernikanische Leistung gewesen.

Die fragwürdige Klugheit der Welt

Der Glaube an die Heiligkeit des Rechts hat unzweifelhaft größere Macht bei den Völkern als bei den Staatsrechtlern der Welt.

Russische Vorurteile

Für den preußischen Konservativen des vorigen Jahrhunderts gehörte das Zusammengehen Deutschlands und Rußlands zu den Postulaten einer gesunden politischen Entwicklung.

Rock und Futter

Es gibt kaum einen Dichter, bei dem Werke und Briefe so untrennbar zueinander gehören, wie Rainer Maria Rilke. Briefe waren ihm Notwendigkeit, mehr als Zwiegespräche mit abwesenden, ihm nahestehenden Menschen.

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