Die Bergbautagung 1950 in Essen, der größten Kohlenstadt des Kontinents, hatte (vom 14. bis 16. September) alles versammelt, was im westeuropäischen Steinkohlenbergbau Rang, Namen und Verantwortung trägt. Zu der überaus großen Zahl inländischer Teilnehmer gesellten sich die Vertreter des National Coal Board, der Charbonnage de France, der Industrie Charbonniere aus Belgien und der Nederlandsche Steenkolenmijnen. Jedoch war der Inhalt der Tagung keineswegs Repräsentation. Ziel war – entsprechend dem Leitwort "Rationalisierung und Mechanisierung des Bergbaus" – die Steigerung der Leistungsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit, Verbesserung der Gruben Sicherheit, Schaffung von Arbeitsbestverfahren und Erleichterung der körperlichen Arbeit des Bergmanns.

Hohes Verantwortungsgefühl und Leistungswille – das war der gedankliche rote Faden durch alle Vorträge; der Generaldirektor der DKBL, Dr. Kost, begann mit den "Gegenwarts- und Zukunftsaufgaben des Steinkohlenbergbaus": Ungenügende Bergbaufinanzierung und dadurch gefährdete Bedarfsdeckung; unechte Kohlenmarktwirtschaft infolge des politischen Kohlenpreises, daher zur Kostendeckung nicht ausreichende Erlöse; Bergbauneuordnung und Eisenindustrie im deutschen Rahmen und im Konzept des Schuman-Plans; Zechenstrom und öffentliche Versorgung; verbesserte Berufsausbildung; mehr Bergarbeiterwohnungen – das sind in Stichworten die Probleme, zu denen Dr. Kost Stellung nahm. Für den kommenden Winter deutete er die Gefahr einer möglichen Kohlenknappheit an, daher sein Appell an die Betriebsleiter und Belegschaften, alles zu tun, um die tägliche Förderung auf 390 000 t (zur Zeit durchschnittlich 350 000 t) zu steigern.

Die Möglichkeiten hierfür zeigten die weiteren Vorträge: Verringerung der Fehlschichten und Erhöhung der Schichtleistung durch verstärkte Mechanisierung. Das Preisausschreiben 1949 der DKBL für Mechanisierung unter Tage hatte sich hier als wertvolle Hilfe erwiesen (Dir. Dr. Große-Boymann). Aus den inAmerika angewandten Maschinen für Gewinnung, Laden und Förderung kann der Ruhrbergbau manches lernen (Dir. Dr. Haarmann). Beherrschung des Gebirgsdrucks sowie Wahl der richtigen Abbauart sind weitere Hilfsmittel (Dir. Dr. Stephan, Dir, Ritter). Kohlenaufbereitung, chemische Veredlung und Ausbau der Zechenenergiewirtschaft bilden wichtige Faktoren zur Hebung der Wirtschaftlichkeit (Dr. Meyer, Dipl.-Ing. Lemke, Dr. Grosskinsky, Dr. Schult). Wie durch Arbeit am schaffenden Menschen die Arbeit des Menschen gesteigert und gehoben werden kann, zeigte der dritte, ganz dem Bergmann und der Jugend gewidmete Tag (Dr. Kost, Oberbürgermeister Martmöller, Prof. Dannenmann, Prof. Kaiser).

Die mit der Tagung verbundene und von über 200 in- und ausländischen Firmen beschickte Kohlenbergbau-Ausstellung wird gleichfalls den im Bergbau und für den Bergbau Schaffenden neue Anregungen und Hilfsmittel geben zur Fördersteigerung! Wt.