Trotz dem erotisch getarnten Weltanschauungs-Dynamit, das die Sowjets neuerdings in Form von Magazinen mit Pin-up-Girls westlichen Matrosen und in Südkorea kämpfenden Soldaten zustecken und in einer jetzt in den Westzonen erscheinenden sogenannten Frauenzeitschrift verbreiten, haben sich die sowjetischen und ostzonalen Frauenzeitschriften nicht gewandelt. Hier spiegelt sich eine kalte, allem Weiblichen abgewandte Welt. Nichts von Anmut, nicht ein spärliches Fünkchen von alledem, was Männer an einer Frau lieben, nichts von jenem Fluidum, mit dem Frauen die Welt bezaubern. Statt dessen die Frau als Produktivkraft, als Arbeitsbiene, als ordengeschmückten Kriegshelfer. Alles auf platte Nützlichkeitserwägungen abgestellt. Goethe hätte schaudernd seine Leier in die Ecke gestellt und wäre geflohen, wäre ihm ein Blick in diese monotone Welt der totalitären Utilität ermöglicht worden.

Tatsächlich finden sich im volksdemokratischen Bezirk auch keine Dichter mehr, die Preislieder auf weibliche Schönheit und Anmut singen. Wenn dort etwas aus der weiblichen Sphäre zum Gegenstand lyrischer Bemühungen gemacht wird, dann ist es der Wille zur Sollerfüllung der Aktivistin, nicht mehr ihr zauberischer Blick oder ihre amourös geschwungene Lippe. Der Milizionär Pjotr darf der verdienten Stachanowarbeiterin Ninotschka nicht mehr von "Rosenlippen" sprechen, wenn er bei ihr nicht in den Verdacht "bürgerlicher Abweichungen" geraten will. Russinnen haben keine "pikanten Füßchen" mehr, wie noch bei Anton Tschechow, sondern nur noch staatlich genormte Fortbewegungsgliedmaßen. Derlei in eine erotische Empfindungswolke zu hüllen, war ein deutliches Zeichen bourgeoiser Entartung. Wehe dem sowjetischen Schriftsteller – Seeleningenieur sagt Stalin –, der es wagen wollte, dem Mund einer Frau eine andere Bedeutung zu geben als die eines Sprachhilfs- und Speiseeinnahmeorgans!

Ist es ein Wunder, wenn sich die Frauen in den totalitären Ländern bemühen, ihre weiblichen Merkmale abzustreifen oder zu überdecken, um in der grauen Armee der Produktionssklaven nicht aufzufallen? In der Moskauer Zeitschrift "Sowjetfrau" sieht man Straßenbahnerinnen, Direktorinnen, Milizionärinnen, Bergarbeiterinnen, aber Frauen in unserem Sinne sind ganz augenscheinlich längst liquidiert worden. Besieht man sich diese ernsten, weltanschauungsträchtigen Sowjetfrauen in ihrem stupiden Berufsstolz und ihrem genormten Seelenleben näher, drängt sich die Frage auf, was diese Frauen denn eigentlich nach Feierabend und am Sonntag machen. Unmöglich, sich diese Dressurprodukte der geheiligten Politökonomie als harmlos sich feiertäglicher Muße hingebende Geschöpfe vorzustellen. Jede Viertelstunde im Liegestuhl wäre nutzlos verbracht, könnte man ihr nicht durch die dabei betriebene Lektüre der letzten politischen Broschüre einen "höheren" Sinn verleihen. Das Wort Muße gilt als Schimpf in einer Welt, in der die Übernorm-Aktivistin zum Stachanow-Engel erhoben ist.

Leider beginnt die Welt entweiblichten Frauentums nicht erst am Bug. Sie ist erstaunlich weit nach Westen vorgedrungen. Ihre Voraus-Partisanen stehen an der Spree. Man kaufe sich nur am Alexanderplatz die Zeitschrift des kommunistischen Frauenbundes. Dieselben Gestalten, der gleiche doktrinäre Ernst, derselbe Mangel an Anmut und weiblichem Geist wie in der "Sowjetfrau". Die Beschäftigung mit totalitärer Politik scheint die Frauen häßlich zu machen. Oder beschäftigen sich nur von der Natur stiefmütterlich bedachte Frauen mit dieser Art Politik?

Es ist der Geist, der sich den Körper baut. Wo soll noch Platz für weiblichen Charme bleiben, wenn man auf allen Gebieten verbissen den Mann zu kopieren trachtet, auch in seiner Art des Denkens. Ineinermecklenbirgischen Stadt haben sich die Funktionärinnen des Frauenbundes darüber beklagt, daß man ihnen nicht auch wie den Männern Gelegenheit gab, am sogenannten "Tag der Befreiung" die Ehrenwache auf dem örtlichen russischen Soldatenfriedhof zu stellen. Auf dem Zivilfriedhof der gleichen Stadt sind gegen 200 deutsche Frauen zur Ruhe gebettet, die in den Mai tagen 1945, als sie "befreit" wurden, Hand an sich gelegt haben. Nicht an den Gräbern dieser ihrer gequälten und in den Tod getriebenen Mitschwestern wollten die Frauen vom Frauenbund die Ehrenwache stellen, sondern an den Gräbern der Rotgardisten. Funktionärinnen sind diese Frauen geworden, im ganzen schrecklichen Sinn dieses Wortes. Sie leben nicht mehr urtümlich aus ihrem weiblichen Wesen heraus, sondern sie funktionieren nur noch. Eine anonyme Macht zieht die Drähte, die sie "in Funktion" bringen. A. B.