Als erste zusammenfassende Darstellung nach – dem Tode des Meisters erschien im Liechtenstein Verlag, München, Kurt Pfisters Monographie Richard Strauß (170 S., Bilderanhang; DM 11,–). Das Buch vermag die Freunde der Straußschen Kunst vor allem durch eine erhebliche Menge bisher unbekannten dokumentarischen Materials zu fesseln. Es unternimmt im übrigen den methodischen Versuch einer Einordnung des Komponisten in die allgemeine geistes- und kunstgeschichtliche Lage seiner Zeit. Daß diese Zeit hinsichtlich der Musikanschauung nicht mehr die unsrige ist, kommt dabei allerdings nicht zur Sprache, ja, anscheinend nicht einmal zum Bewußtsein des Autors, der die verjährte Scheidung zwischen "Musik als Ausdruck" und "Musik als Form" im Sinne vermeintlich natürlicher Gegensätze wie etwas Selbstverständliches beibehält (so weitgehend, daß eine Musik ohne außermusikalischen "Inhalt" geradezu mit dem Terminus "formalistisch" belegt wird) und darauf eine ästhetische Wertung aufbaut. An diesem Punkte könnte freilich eine Kritik einsetzen, die auch die Objekte dieser Wertung mit berühren müßte, gerade wenn man überzeugt wäre, daß die in der Tat einer solchen dualistischen Musikauffassung ihre Entstehung und ihre Erscheinung verdanken. Womit denn allerdings der Verfasser der Sache seines Meisters einen schlechten Dienst erwiesen hätte. –

Ein überaus interessantes und dabei bis zum gelegentlichen Amüsement unterhaltsames Buch hat Eberhard Preußner (seit langen Jahren dem Salzburger Mozarteum engstem verbunden) den Musikern und Musikfreunden geschenkt: Die musikalischen Reisen des Herrn von Uffenbach (Bärenreiter Verlag, Kassel und Basel; 191 S.). Es ist die sinngetreue, von ausgedehnten Zitaten aus dem Originaltext durchsetzte Nacherzählung eines Reisetagebuchs des Johann Friedrich A. von Uffenbach aus Frankfurt a. M., der von 1712 bis 1716 mehrere Länder Europas bereiste und als tüchtiger Musikliebhaber, -kenner und -praktiker einen Typ des "Laien" personifiziert, der seither immer seltener geworden ist. Seine Reisen dienten dem Zwecke, Erfahrungen, Eindrücke und Anregungen zu sammeln – Anregungen aber auch zu geben und damit bisweilen sogar in die Entwicklung der Musikpflege einzugreifen. Eben deshalb wurden seine Aufzeichnungen zu einer unerschöpflichen Quelle der Belehrung auch für die Musikwissenschaft. Neben rein sachlichen Aufschlüssen über die verschiedensten Kulturzustände, Sitten und musikalischen Verhältnisse laufen dabei nicht wenige historische Kuriosa unter, die den heutigen Leser frappieren. Daß der Autor mit ausführlichen Kommentaren den Stoff wissenschaftlich praktikabel gemacht hat, ist ihm angesichts der Mühe, die das bei so entlegenem Stoff gekostet hat, besonders zu danken, A.