Doch, so müssen wir weiter fragen, was wäre damit gewonnen? Es ist allen Mördern verboten, zu morden, allen Räubern, zu rauben. Und sie tun es dennoch. Soll man deshalb all; potentiellen Räuber und Mörder vorsorglich in Sicherheitshaft nehmen? Wieviel Unschuldige würden dabei eingesperrt werden! Wenn man wirklich den Wahnsinn begehen wollte, wieder Konzentrationslager anzulegen – diesmal nach sowjetischem Vorbild – was ja die Konsequenz sein müßte, wenn man die Kommunistische Partei verbieten will, was für Menschen würden sich eigentlich in diesen Lagern zusammenfinden? In erster Linie Mitläufer, kleine Händler, die der Partei beitraten, weil sie fürchteten, die Kommunisten könnten ihnen später einmal ihren Laden enteignen. Doch die Gefährlichen, die Gewissenlosen, die Fanatischen, die Funktionäre, die Kaderführer, sie alle würden in der gleichen Illegalität weiterleben, in der sie sich heute bereits befinden.

Niemals könnte also ein Verbot der Kommunistischen Partei effektiv werden, es sei denn, daß wir selbst zu terroristischen Maßnahmen griffen, die den sowjetischen gleichen. Und eben deshalb sollten wir, wie es westlichen Ideen entspricht, keine kollektiven Verbote erlassen. Um so nötiger wäre es, alle individuellen Fälle kommunistischer Verbrechen scharf, ja unter Uniständen auch sehr scharf, zu bestrafen, und für diesen erforderlichen Staatsschutz Gesetze zu erlassen. Wenn man so verfährt, dann braucht man sich gewiß nicht mehr davor zu fürchten "Mirtyrer" zu schaffen. Richard Tüngel