Dom Pérignon, seines Zeichens Kellermeister der ehrenwerten Benediktinerabtei Hautvillers in Frankreich, war einer der größten Weinkenner seiner Zeit. "Qui vin boit, Dieu von stand auf einem seiner gewaltigen Fässer. Wie sehr sollte dieser Wahlspruch erst seine Richtigkeit erweisen, als der Benediktinermönch eines Tages die Feingärung des Weines in der Flasche entwickelt hatte und damit zum Erfinder des schäumenden Weines geworden war! Im Jahre 1680 knallte der erste Korkstopfen des neuen Getränkes, das mit dem feinen Rauschen seines knisternden Schaumes als vin mousseux de la Champagne oder einfach als vin Perignon schon Ludwig XIV. begeisterte. Schon bald erkannte Dom Perignon jedoch, daß sich in den gewöhnlichen, damals üblichen Gläsern leicht das Schönste des schäumenden Weines verliert: der im Perlenspiel emporgetragene wundervolle Duft. So schuf er denn das schlanke, schmale Spitzglas, in dem man "den anmutigen Tanz der Gasatome", wie er das muntere Spiel der Sektperlen nannte, beobachten und genießen konnte, und gab ihm seine klassische Form, die auch heute noch bevorzugtwird.

Während die Methode der Sektherstellung im wesentlichen die des alten Kellermeisters geblieben ist, haben die Sektgläser im Laufe der Jahrhunderte dem sich wandelnden Geschmack entsprechend immer neue Formen angenommen, Fast drei Jahrhunderte Kulturgeschichte spiegeln sich in funkelnden Reflexen in der an historischem und künstlerischem Wert gleich seltenen Gläsersammlung der Sektkellerei Kupferberg, der einzigen ihrer Art in der Welt. Aus vielen Ländern der Erde hat Christian Adalbert Kupferberg, dessen Haus in diesen Tagen auf ein 100jähriges Bestehen zurückblickt, seine Sammlung zusammengetragen. Darunter befindet sich ein reich verzierter Barockkelch aus dem Jahre 1720, eine nordböhmische Arbeit mit der Inschrift: "Vivat dem Herrn und seyner Liebsten"; ein kristallener Pokal aus dem Jahre 1798 mit eingelassenem Bildnis des Königs Friedrich Wilhelm III. von Preußen; ein achteckiger Jagdkelch mit handgeschliffenen Jagddarstellungen, der am Hofe Augusts des Starken benutzt worden ist. Ein altitalienisches Spitzglas trägt den Spruch: "L’Effetto piu che il detto (Die Tat gilt mehr als Worte). Es steht neben einer venezianischen Sektschale, die einen eigenartigen, U-förmig gebogenen Stiel aufweist, von dem sechs hellblaue Flügel abstehen. Gläser, aus denen Friedrich der Große, Zar Alexander I. und Napoleon tranken, befinden sich in der Sammlung. Bei Kriegsende wurde von eindringenden Truppen ein Tal der Kisten mit den kostbaren Gläsern aufgebrochen und beschädigt. "Mit Wehmut und einem Besen haben wir die Scherben zusammengekehrt". berichtet Christian Adalbert Kupferberg. Die erhalten gebliebenen wertvollen Stücke Kostbarkeit eigener Art. Alfred Drews