St. Rom, Mitte September

Ir Amsterdam wird 1951 ein Tabak-Weltkongreß stattfinden. Um zu dieser Tagung vorbereitet zu sein, haben die Europäer dieser Tage in Rom ihren regionalen Kongreß abgehalten. Von den Problemen, die dort zur Debatte standen: "Die gegenwärtige Lage der europäischen Tabakwirtschaft", "Die Kultur des Zigarettentabaks in Europa" und "Die internationale Zusammenarbeit auf dem Tabaksektor" beherrschte das letzte Thema vollauf die Diskussion, weil die Verschiebungen auf dem Weltmarkt, und hier insbesondere in der europäischen Produktion, zu einer Dauerkrise für den Orienttabak geführt haben.

Prof. Koenig, der Direktor des Tabakfoischungs-Instituts Karlsruhe, war Referent zu diesem Problem. Er wies nach, daß, so außerordentlich differenziert die Probleme in den jeweiligen Ländern auch sein mögen, eine Lösung letzten Endes nur durch eine internationale Zusammenarbeit gefunden werden kann. Drehe es sich doch nicht nur darum, die Interessen der Länder oder Pflanzer, des Handels und der Verbraucher auf einen Nenner zu bringen, sondern gerade sich über die Ursachen im Klaren zu werden, die heute auf dem internationalen Tabakmarkt die Krisenlage geschaffen haben. Nach heftiger Diskussion war das konkrete Ergebnis die Einsetzung einer europäischen Kornmision. Sie hat den Auftrag, bis zum Amsterdamer Kongreß eine Art "Europa-Plan der Tabakwirtschaft" aufzustellen, nämlich ein fertiges Statut für die internationale Zusammenarbeit auf wirtschaftlichem,technischem und wissenschaftlichem Gebiet. In diesem Gremium wird lebhaft das erörtert werden, was den Kongreß beherrschte: der Wunsch der Griechen und Türken, ihre Länder wieder ins Geschäft zu bringen, und der gute Wille und auch das wirtschaftliche Interesse der übrigen europäischen Länder, den südosteuropäischen Markt wieder stärker heranzuziehen.

In engem Zusammenhang damit steht das Problem des organisierten Großschmuggels. Er ist in allen westeuropäischen Produktionsländern gleich brennend. Was für die Finanzminister als Ergebnis der Erörterung hierüber besonders interessant sein wird, war die allgemeine Feststellung, daß man heute einen Erfolg im Kampf gegen das Zigarettenschmuggel-Unwesen kaum mehr von einer scharfen Grenz- und Zollüberwachung erwartet, sondern durch eine wesentliche Steuersenkung: der Schmuggel muß unrentabel werden!

Noch ein Wort zur Rolle Deutschlands in Rom. Die deutsche Delegation wurde von Anfang an als die Vertretung eines großen Tabak-Wirtschaftslandes und zugleich als ein Gremium europäischer Fachleute anerkannt. Sie arbeitete in den Ausschüssen, in Debatten und nicht zuletzt in den Grundsatz-Vorträgen dann so mit, daß man ohne Überheblichkeit feststellen kann: hier ist eine Position wieder errungen!