Helmut Kuhn: "Begegnung mit dem Nichts". Ein Ver-• such über die Existenzphilosophie. (Verlag J. C. B. Mohr (Paul Siebeck). Tübingen. 173 S.) – Eine theologische Durchmusterung der Strukturen und Intentionen in den Systementwürfen von Heidegger, Jaspers und J. P. Sartre – die philosophisch kundigste und umsichtigste, die bislang versucht wurde, unentbehrlich für die weitere Klärung der Positionen.

J. M. Bochenski: "Der sowjetrussische dialektische Materialismus" (Diamat). (Leo Lehnen Verlag G. m. b. H., München. 213 S. Leinen DM 8,40). – Die bisher durchsichtigste Darstellung der von Engels, Lenin und Stalin zum starren Dogma entwickelten, oft zu Unrecht als "marxistisch" bezeichneten Pseudophilosophie, die aus unscharfen Kategorien wie "Materie" und "Dialektik" eine Apparatur des geistigen Terrors realisiert. (Band 69 der vortrefflichen Schweizer "Sammlung Dalp".)

Fedor Stepun: "Dostojewski". Weltschau und Weltanschauung. (Carl Pfeffer Verlag, Heidelberg. 80 S. Pappe). – Diese sehr wichtige, gehaltreiche Studie räumt mit dem Mißverständnis auf, das aus Dostojewskijs Romanen ein Bild russischer Menschen, "wie sie sind", ablesen Will. Vielmehr entwirklichte der Dichter den russischen Menschen seiner Erfahrung, um die Grenzsituationen des Daseins aufzudecken.

Carl Schmitt: "Ex captivitate salus". Erfahrungen der Zeit 1945/1947. Greven Verlag, Köln. 91 S. Leinen DM 4,50.) – In der Grenzsituation des aufgenötigten Schweigens dringt der eminenteste deutsche Rechtsdenker der letzten Jahrzehnte zur "Weisheit der Zelle" vor: "Der Feind ist unsre eigene Frage als Gestalt." Ein in vielen Hinsichten erhebliches Dokument dieser Zeit.

Edzard Schaper: "Die Freiheit des Gefangenen". (Bei Jakob Hegner in Köln. 285 S.). – Führt erzählerisch auf die Kernsituation freier moralischer Entscheidung: ein Offizier unter Napoleon wird verhaftet, ohne zu wissen warum, schlägt aber die gebotene Gelegenheit zur Flucht aus, erfährt also innere Freiheit, indem er aus gutem Grund auf die äußere Freiheit verzichtet.

Kurt Hutten: "Seher, Grübler, Enthusiasten". Sekten und religiöse Sondergemeinschaften der Gegenwart. (Im Quell-Verlag der Evang. Gesellschaft, Stuttgart. 304 S. Halbl. DM 9,50). – Das Standardbuch über die außerkirchlichen Gemeinden und Bewegungen, deren nach innen gewandter Fanatismus sich, wie die "Zeugen Jehovas" beweisen, im Aufprall auf die totalitären Systeme oft fester behauptet als das kirchliche Ganze, von dem sie sich abgespalten haben.

W. E. Mühlmann: "Mahatma Gandhi". Der Mann, sein Werk und seine Wirkung. Eine Untersuchung zur Religionssoziologie und politischen Ethik. (Verlag J. C. B. Mohr (Paul Siebeck), Tübingen. 298 S. Leinen DM 10,80). – Die kompetente deutsche Gandhi-Biographie, indologisch und sozialwissenschaftlich gleich sicher fundiert, zerstreut viele europäische Vorurteile, stellt Gandhi in seine spezifische Welt und macht eben dadurch das Unwiederholbare seiner paradoxen Größe deutlich.