Der frühere US-Verteidigungsminister James Forrestal verlor Amt, Nerven und Leben, als sein Rüstungsbudget von 21 Mrd. $ von Präsident und Kongreß abgelehnt wurde, das er als Minimum gefordert hatte, um die amerikanischen Verpflichtungen in einer bedrohten Welt erfüllen zu können. Ein Jahr nach Forrestais Selbstmord wurde Präsident Truman durch die Ereignisse gezwungen, den Rüstungsetat der USA um nicht wenige Milliarden mehr zu erhöhen. Und dies, obwohl 50 Mrd. $ seit 1946 für militärische Zwecke ausgegeben wurden. Wo ist das Geld geblieben, wo ist der Verteidigungseffekt?

Noch 1946 verfügten die USA über 17 Divisionen mit 1,9 Mill. Mann, über 52 Luftflotten und über 291 Kriegsschiffe aller Größen. Bei Ausbruch des Korea-Konfliktes besaßen die USA nur 10 Divisionen mit 1 Mill. Mann, nur noch 48 Luftflotten und nur noch 245 Kriegsschiffe. Der Bestand der Marine verringerte sich zudem von 985 000 auf 380 000 Mann; im gleichen Maße wurden die technischen Einrichtungen beschnitten, und das einzige größere Bauprojekt, ein Superflugzeugträger, wurde zurückgestellt.

Während die USA gern als "Arsenal der Demokratien" bezeichnet wurden, sind die in amerikanischen Besitz gelangten deutschen und japanischen Waffen und Ausrüstungen verschrottet worden, zusammen mit einem großen Teil der eigenen amerikanischen Kriegsrüstung. Seit Beginn des "kalten Krieges" 1947 wurden zwar großzügige Versuche mit neuen Waffen oder zur Verbesserung deutscher Kriegsmaschinen unternommen. Tatsächlich wurden jedoch bisher noch keine neuen Modelle von Panzern, Geschützen oder Kriegsschiffen in Dienst gestellt. Ein neues, als "Himmelsbesen" bezeichnetes Flakgeschütz wurde zwar entwickelt, wird aber noch nicht produziert. Für solche Versuche, Umbauten und maschinelle Ergänzungen, zusammen mit Ausgaben für Mobiliar, Büroeinrichtungen und Personenwagen, entfielen 3,1 Mrd. $ des Ausrüstungsetats, der praktisch nur 7 Mrd. $ seit 1946 umfaßt. Das allein ist echtes Rüstungsgeld, sieht man von dem gesonderten Etat der Atomic-Emergy-Commission zur Herstellung von Atomwaffen ab. Dazu kommen 8 Mrd. $ für Unterhalt und Sold der Kampftruppen, die (umgerechnet auf 1 Million Soldaten, in vier Jahren) 2000 $ je Kopf jährlich ergeben.

Im Kriegsfalle muß das Wehrsystem der USA mit seiner Vereinigung von allgemeiner Wehrpflicht und Besoldung als Berufswehrmacht bereits eine übermäßige Belastung darstellen. Bei 10 Mill. Mann unter Waffen wären z. B. allein 20 Mrd. $ jährlich für Entlohnung und Unterhalt aufzubringen! Trotzdem entfallen auf die Ausrüstung und den Unterhalt der USA-Wehrmacht mit zusammen 15 Mrd. $ weniger als 30 v. H. des Rüstungsetats von 50 Mrd. So betrugen die Ausgaben für Zivilangestellte nicht weniger als 18,7 Mrd. $; für Transportkosten, Dienstleistungen und Büros wurden 5,5 Mrd. $ aufgewendet; Pensionen und ähnliche Versorgungsausgaben verschlangen weitere 3,6 Mrd. S; schließlich betrug der Unterhalt von Bedienungsmannschaften und Arbeitseinheiten der Wehrmachtsteile 6 Mrd. $, womit die reinen Verwaltungsausgaben für eine Wehrmacht von 1 Mill. Mann in vier Jahren sich auf 35 Mrd. $ beliefen ...

Das Wehrsystem der USA soll jedoch nicht nur beibehalten, sondern die Soldbezüge und Gehälter – nach dem Kriege bereits wesentlich erhöht – sollen künftig nochmals gesteigert werden. Die Verwaltungskosten werden zwar nicht vermehrt, soweit dies die neu bewilligten 10 Mrd. $ betrifft, aber auch nicht ermäßigt. So, verteilen sich die nach dem Korea-Konflikt neu bewilligten Rüstungsausgaben vor allem auf die Ausstattung mit WafTen und Munition, auf zusätzliche Luftflotten und auf Verkehrsmittel und Nachschubbedarf.

Die zusätzliche Beanspruchung der amerikanischen Wirtschaft für die Rüstung ist somit erstaunlicherweise relativ unbedeutend. Eine Belastung ergibt sich vor allem auf dem Metallmarkt und insofern, als die Hochkonjunktur auf verschiedenen Gebieten die Kapazität der USA-Industrie bereits voll ausgenutzt hat. So wird die Stahlindustrie den Rüstungsbedarf von 10 v. H. ihrer Kapazität dem zivilen Verbrauch entnehmen; die Automobilindustrie muß ihre Rekordproduktion von 8,5 Mill. Wagen für den zivilen Verkehr jährlich auf etwa 5 Mill. begrenzen und die Bautätigkeit sich von 1,5 Mill. Wohnungen auf 1 Mill. einschränken. Ferner bewirkt die Abzweigung von Kupfer, Zink, Zinn und Blei eine Verknappung in elektrischen Artikeln, Haushaltsmaschinen und sanitären Anlagen, wobei deren zeitweiser Ersatz durch andere Materialien jedoch durchaus möglich erscheint.

Eine weit größere Belastung als der tatsächliche Mehrverbrauch der Rüstung hat sich psychologisch aus dem Eindruck ergeben, vor einer vollen Mobilisation zu stehen. Industrie, Handel und Privatverbraucher reagierten überall in der Welt mit Hortungskäufen, mit Vorausbestellungen und mit Zurückhaltung von Waren und Rohstoffen, mit Preissteigerungen und Abzug von Bankeinlagen. So wurde der Bedarf an bestimmten Nahrungsmitteln, Verbrauchsgütern und Rohstoffen in erheblichen Mengen vorweggenommen. Da es jedoch unwahrscheinlich ist, daß innerhalb der nächsten Monate große Verwicklungen auftreten, Produktion wie Kapazität aber zunehmen, sind die Folgen dieser Bedarfsdeckung auf den Märkten leicht vorauszusagen, wenn auch nicht einzeln zu erfassen. Als Kettenreaktion der "Schrecksekunde" ist, infolge der Preissteigerung, in den USA und in manchen anderer Ländern die Preis-, Lohn- und Steuer-Spirale in Bewegung geraten, wodurch der künftige Markt also zusätzlich verschmälert werden dürfte. Den Nachholbedarf an Dauergütern und die Vorausdeckung an Konsumgütern auszugleichen wird in den nächsten Monaten der Wirtschaft mehr Kopfzerbrechen machen, als die Ingangsetzung und Aufrechterhaltung einer begrenzten Rüstung. EOG.