Der Inhaber des "Insel-Verlages", Ehrenbürger von Bremen, ist siebenundsiebzigjährig in Luzern gestorben.

Die Bezeichnung Verleger ist viel zu eng für eine Gestalt wie Anton Kippenberg. Gewiß, dieser Bremer und überzeugte Hansestädter vermochte kaufmännisch zu denken, und der "Insel-Verlag", den er 1905 aus den geschäftlich minder versierten Händen seiner Mitbürger Rudolf Alexander Schröder und Alfred Walter Heymel übernahm, wäre nicht zu so überragender Geltung gekommen, hätte ihn sein Leiter nicht mit solidem Sinn für Rentabilität gesteuert. Doch schon die Art, wie er die dauernde Rentabilität erreichte, wich von der durchschnittlichen Praxis charakteristisch ab: die billigen "Insel-Bücher", die zum Fundament der weitverzweigten Produktion wurden, waren etwas ganz Neues, weil sie buchkünstlerisch und textlich in nichts von den höchsten Ansprüchen abließen. Rilkes "Cornet" ein Best-Seller – das war die erste Überraschung, und sie kam dem ganzen ferneren Werk dieses Dichters zugut, der in der Rückschau denn doch wohl als der "Insel"-Autor par excellence dasteht (sein Nachlaß beginnt jetzt zu erscheinen; Kippenberg sah noch die beiden ersten Bändchen). Dann Goethe. Die Wilhelm-Ernst-Ausgabe, die sechsbändige in Dünndruck, der "Welt-Goethe" und die unvergleichliche "Sammlung Kippenberg", die es mit allen Schätzen aller Goethe-Institute aufnehmen kann. Der Horizont dieses ungewöhnlichen Kaufmanns reichte so weit wie die Lust am Wort reichen kann. Bis zu den Schüttelreimen, die er als "Benno Papentrigk" in die Welt streute, C. E. L.

Die Joachim-Jungius-Gesellschaft der Wissenschaften in Hamburg hält vom 30. Oktober bis 1. November ihre diesjährige Tagung mit dem Thema "Geist und Tradition" ab. Führende deutsche Gelehrte werden das Problem der Tradition für ihre Fachgebiete behandeln. Der evangelische Theologe Professor Freiherr von Campenhausen (Heidelberg) wird über "Geist und Tradition im Urchristentum" sprechen.