Fünf Jahre lang haben Geschichte und Geographie im Schmollwinkel der deutschen Schulen gestanden. Das Re-education-Programm war 1945 nicht so weit gediehen, daß man genauer gewußt hätte, wie die Schuljugend entnazifiziert und einer weltoffeneren, umsichtigeren und kritischeren Haltung zu den Problemen des geschichtlichen Lebens zugeführt werden konnte. Es trat einfach ein Vacuum ein. Vor allem, was die Lehrbücher betraf. Wo die beiden heilen Fächer überhaupt im Unterricht vorkamen, blieben sie dem Takt der Lehrer überlassen.

Nun schließen sich die Lücken. Energischer als für die Geschichte gilt das von der Erdkunde. Was früher selbstverständlicher Besitz jedes Schülers war, inzwischen aber vermißt werden mußte, ist wieder da: ein Atlas, der die politische Verteilung der Länder ersichtlich macht. Der Verlag Westermann in Braunschweig legt Dierckes Welt-Atlas in der dreiundachtzigsten, der ersten Nachkriegsauflage vor – mit den Ländergrenzen, die heute gelten, mit einer Karte von Deutschland, die den Schülern eine Anschauung der jetzigen Zoneneinteilung gibt. Das Provisorische des Zustandes mußte eben auch einmal fixiert werden. L.