Freiburg, im September

Der Schweizer Arnold Schwengeler hat es in seinem bereits in mehrere Sprachen übersetzten und am Broadway vorbereiteten Schauspiel Der Fälscher unternommen, die diffizilen. Fragen künstlerischen Schaffens und die Problematik seiner Auswirkung auf die eigene Zeit mit den Mitteln der Bühne darzustellen. Er hat dazu einen Stoff benutzt, der die Merkmale des Sensationellen und des Reißerischen schon in sich trägt: das Geschick des holländischen Malers Hart van Meegeren, der in den Jahren zwischen 1937 und 1943 Bilder im Stile und mit den Signaturen von Vermeer und Pieter de Hooch malte und sie als Werke dieser Meister aus der "Goldenen Zeit" holländischer Malerei sogar an die großen. Museen in Rotterdam und Amsterdam verkaufte. Van Meegeren ging es dabei kaum um finanziellen Gewinn. Denn er hatte zuvor mit seinen Bildern materiellen Erfolg gehabt, jedoch nicht die Anerkennung als Künstler gefunden.

Bei Schwengeler wird van Meegerens Handeln zur diabolischen Rache eines in seinem Wert verkannten Künstlers, vor allem an den Fachleuten, Er blendet zur stärkeren Verdeutlichung und weiteren Motivierung das Schicksal eines dem Künstler befreundeten Schriftstellers vor, der an einer als Infamie dargestellten, in ihrer Berechtigung nicht geklärten Kritik zugrunde geht. Diese Unklarheit und allzu grobe Vereinfachung in der Parallelhandlung bleibt für das Stück charakteristisch. Schwengelers Psychologie und seine Sprache besitzen nicht die Sensibilität, um die Vielschichtigkeit des ganzen Problemkomplexes wahrhaft zu durchleuchten und prägnant zu dramatisieren. Es bleibt beim Ansatz, bei ausgemachten Banalitäten und sentimentalen Effekten. Allerdings wird es dieser Stoff auf dem Theater immer schwer haben. Doch könnte man. sich für die dem Thema innewohnende doppelt bödige Ironie das große, befreiende Lachen als die stärkere Lösung vorstellen.

Die Inszenierung von Heinz Schimmelpfennig bei der deutschen Erstaufführung im Kammerspielhaus der Städtischen Bühnen Freiburg i. Br. spielte gerade die Schwächen des Stückes, die banalen Bedeutsamkeiten, nachdrücklich aus. Wolf gang Stumpfs van Meegeren war zu ausschließlich auf den Ton flackernder Erregtheit gestellt. Die Majorität des Premierenpublikums spendete kräftigen Beifall. H.