K. W. Berlin, im September

In den Jahren bis 1933 war er der Leiter des Arbeitersportvereins "Fichte", und sein breites, einem Boxer mehr als einem Politiker zugehöriges Gesicht paßt zu der blauen Uniform der Volkspolizei nicht schlecht, die er – Karl Mama – jetzt als ihr Generalinspekteur trägt, Als der erste Volkspolizeichef Kurt Fischer, der lange Jahre die Kaderschulen in Moskau besucht hatte, vor kurzem starb, kam Maron – sogar für viele kommunistische Freunde überraschend – auf den wichtigen Kommandeursessel. Daß der breitschultrige, rauh-joviale Maron je in der polizeilichen oder militärischen Sphäre gelebt oder sich Er Meriten geholt hätte, ist nicht bekannt. Ein klassenbewußter Sportler war er, ein Mann, dem die kommunistische Aktion stets wichtiger war als die kommunistische Dialektik, Sein Emigrationsweg ging nach Osten. In den langen Moskauer Jahren ist er offensichtlich elastischer geworden, bereit für Ämter und Funktionen, deren Wichtigkeit den jeweiligen Anforderungen gemäß sehr wechseln kann.

Als erster entstieg er schon im Mai 1945 in Berlin einem sowjetischen Flugzeug. Diese Maschine hatte auch eine Gruppe von bisherigen deutschen Offizieren nach Deutschland gebracht unter ihnen den späteren Berliner Polizeipräsidenten Markgraf –, die Maron kennengelernt hatte, als er in Moskau zwei Jahre lang das schwarz-weiß-rot umränderte "Freie Deutschland" redigierte. Damals wurden sie von ihm kommunistisch geschult.

Der erste Berliner Magistrat nach 1945 war sein Werk. Er selbst fungierte nur als stellvertretender Oberbürgermeister, aber der völlig unpolitische Dr. Werner, der den Titel "Oberbürgermeister" trug, war das neutrale Aushängeschild eines kommunistischen Magistrats, den Maron in Wirklichkeit allein dirigierte.

Als im Oktober 1946 bei der ersten Wahl in Berlin die SED geschlagen wurde, zog sich Maron offiziell wieder ins Publizistische, in die Chefredaktion der Parteileitung zurück, arrangierte aber im Hauptberuf als Fraktionsvorsteher der SED eine Kette von Maßnahmen, die schließlich die Teilung der Stadt faktisch zuwege brachten. In der Polizei in Berlin war Maren der Generalstabschef des Ost-West-Terrors. Wenn er jetzt nach erstaunlich stillen Monaten Generalinspekwir der Volkspolizei geworden ist, so weiß man, daß dies kein Versorgungsposten für den immer Aktionsbereiten sein soll. Zwar ist er als General-Inspekteur der Volkspolizei nicht unumschränkter Herr über die östliche Militärgruppe, denn seit Zaisser-Gometz, der rotspanische General aus dem Bürgerkrieg mit eigenem Staatssicherheitsministerium die deutsche NKDW-Funktion übernommen hat, bleibt dem Chef der Volkspolizei keine unumschränkte Vollmacht. Aber mit Maron wurde einem Manne die Volkspolizei übergeben, der gerade mit den deutschen Militärs vom Komitee "Freies Deutschland" seit langem Kontakt hält. Er wird der östlichen Regie eine Gewähr mehr sein, daß auch die ehemaligen Hitler-Offiziere in der Volkspolizei nichts als kommunistische Befehlsträger werden.