In ihrem jüngsten Bericht befaßt sich die Organisation für europäische Zusammenarbeit (OEEC) eingehend mit den Notwendigkeiten außergewöhnlicher Anstrengungen auf allen Gebieten der landwirtschaftlichen Erzeugung . in den Ländern des Marshall-Plans. Die OEEC ist der Ansicht, daß der erreichte Vorkriegsstand nicht ausreichend ist, vielmehr müßte die Produktion unter Verwendung aller zur Verfügung stehenden technischen Neuheiten in einem "bisher noch nicht dagewesenen Ausmaß" gesteigert werden. Man rechnet damit, daß die Bevölkerung Westeuropas bis 1952 um etwa 14 v. H. gegenüber 1938 angewachsen sein wird und fordert eine entsprechende Erhöhung der landwirtschaftlichen Produktion um mindestens 15 v. H. gegenüber der Vorkriegszeit. Um dieses Ziel zu erreichen, wird von der OEEC die Verwendung von landwirtschaftlichen Maschinen auf genossenschaftlicher Basis empfohlen.

Auch Westdeutschlands Landwirtschaft muß sich sehr intensiv an der Lösung dieser Fragen beteiligen. Man sage nicht, daß die Sorgen und Nöte unserer Bauern in der Öffentlichkeit nur unzulänglich Gehör fänden! Es ist ihnen im Zusammenhang mit den Getreide- und Düngemittel-Subventionen nachhaltig genug Ausdruck verliehen worden. In der augenblicklichen Lage ist es für die westdeutsche Landwirtschaft zunächst einmal unerläßlich, daß auf dem Bauernhof selbst alles getan wird, um den finanziellen Druck zu mildern. Minister Prof. Niklas hat anläßlich des Deutschen Bauerntages in Mainz die Selbsthilfe der deutschen Landwirtschaft gefordert. Während der 20er Jahre dieses Jahrhunderts bestand sie nicht selten aus dem Schritt in die Extensivierung, die sich bei einer Reihe von Betrieben – zuletzt unter der Rückendeckung der "Osthilfe" – vorübergehend günstig auswirkte. Der Versuch einer Wiederholung solcher Art von Selbsthilfe, wozu gewisse Ansätze bereits erkennbar sind, müßte in der derzeitigen Situation und in Anbetracht der anders gearteten Nebenumstände in dem allgemeinen Bankrott unserer Volkswirtschaft münden. Heute kommt es vor allem auf Produktionssteigerung und Intensivierung an, und diesen Bestrebungen ist wahrlich noch ein weites Feld der Tätigkeit gesetzt.

Interessante Aufschlüsse im Bereich eines Teilgebietes – der Nährstoffbilanz des Bodens – vermitteln Ergebnisse der Landwirtschaftlichen Untersuchungsanstalten. Sie beweisen, daß der kriegsbedingte Fehlbetrag in dieser Nährstoff- – bilanz noch nicht wieder ausgeglichen ist. Die ermittelten Werte zeigen nachstehendes Bild:

gut mäßig schlecht versorgt mit Phosphorsäure (3,15 Mill. Untersuchungen)

Nordwest- und Westdeutschland 23 % 36 % 41 %

Südwestdeutschland 18 % 23 % 59 %

mit Kali (1,43 Mill. Untersuchungen)