Am 1. Oktober wird in Berlin die "Deutsche Industrie-Ausstellung" ihre Pforten öffnen. Sie ist eine Ausstellung ohne Tradition, und ihr Plan entsprang ursprünglich der Absicht, Westberlin durch eine repräsentative und wirtschaftliche Veranstaltung, die eine gesamtdeutsche Basis hat, zu helfen. In den vier Vorbereitungsmonaten ist der Plan immer mehr erweitert worden: zu einem Grade, der der Industrie-Ausstellung Berlin jetzt die Bedeutung einer ersten umfassenden Leistungsschau der gesamten deutschen Industrie nach dem Kriege zuweist.

Das Ausstellungsgelände um den Berliner Funkturm, das beträchtliche Kriegszerstörungen hat hinnehmen müssen, erwies sich trotz dieses Substanzverlustes noch immer als der umfangreichste Ausstellungsraum ganz Deutschlands. Zur Industrie-Ausstellung aber wurde er durch fünf weitere Hallen auf etwa 50 000 qm erheblich ausgebaut. Diese Hallen, die in einer modernen Glas-Stahl-Konstruktion in knapp drei Monaten von 200 Firmen hergestellt worden sind, haben Berlins Ausstellungszentrum wohl zum modernsten Messegelände von Deutschland gemacht. Trotz dieser Neubauten, die Berlins größtes Bauvorhaben der Nachkriegszeit überhaupt waren, werden einige Industrien, unter anderem leider die Lebensmittel-Industrie, auf der Ausstellung nicht vertreten sein können. Die Aufgabe der Ausstellung, ein Schaufenster für die gesamte deutsche Industrie zu sein, hat zu einer außerordentlichen Beteiligung geführt. Von den 1200 Firmen, die zugelassen werden konnten, kommen etwa die knappe Hälfte aus Westdeutschland. Ein sehr großer Teil stammt natürlich aus Westberlin; aber es gibt auch eine nicht unerhebliche Beteiligung aus dem Auslande. Die USA werden in ihrem Marshall-Haus eine große Kollektiv-Ausstellung zeigen. Ein britischer Pavillon und Sonderausstellungen aus Frankreich, Belgien, Italien, der Schweiz, Irland und Portugal werden die internationale Seite dieser, Berliner Schau darstellen.

Sie heißt "Deutsche Industrie-Ausstellung" und wird sich von den Messen dadurch unterscheiden, daß sie nicht speziellen Ein- und Vorkaufsbranchen dient, sondern wirklich ein erstes umfassendes Panorama des industriellen Standards nach fünf Jahren bietet. Für die Geschäftsabwicklung zwischen deutschen Geschäftsleuten und ausländischen Ausstellern hat die Bundesregierung ein Sonderkontingent von mehi als 1,5 Mill. $ zur Verfügung gestellt. Es versteht sich, daß auf der Industrie-Ausstellung vor allem die Westberliner Industrie ihre Leistungsfähigkeit, ihre neugewonnene Kapazität und ihre Qualitätsmaßstäbe zur Schau stellen soll. Das wieder arbeitende Borsig, die Elektro- und Rundfunk-Industrie, die Werkzeugmaschinen- und Veredelungsbetriebe haben ihre erste große Gelegenheit, einem breiten deutschen und – wie man erwartet – einem zahlreichen ausländischen Publikum darzustellen, welche wirtschaftlichen Möglichkeiten in Westberlin liegen. K. B.