Hier der befreiende Ton des jüngsten New Yorker Kommuniqués der Außenminister – dort die Liquidation der sechs Montankonzerne, ohne zu sagen, was an ihre Stelle treten soll! Und alles zur gleichen Zeit... Natürlich war die Entflechtung zu erwarten; natürlich weiß man, daß die Amerikaner die "Entmonopolisierung" als wichtige Mission betrachten; es kommt aber nicht nur darauf an, daß man, sondern wie man liquidiert. Die Durchführungsverordnungen Nr. 1, 2 und 3 zum Gesetz 27 (ex 75) gegen Krupp, Klöckner, Mannesmann, Stahlverein, Hoesch und Gutehoffnungshütte haben die politischen und wirtschaftlichen Kreise enttäuscht, deutlicher: verärgert.

Es sind wie beim IG-Farben-Gesetz wiederum Tatsachen ohne jede deutsche Beteiligung geschaffen worden. Mit dem 30. September haben die sechs Altkonzerne in Liquidation zu treten..., aber am 15. Oktober hofft man den Schuman-Plan unter Dach zu haben! In diesen Tagen, in denen die Schuman-Plan-Verhandlungen auf dem Höhepunkt der Entscheidungen ankommen, macht man die deutsche Stahlindustrie nicht gerade verhandlungsfähiger.

Vom 1. Oktober ab sind die derzeitigen Vorstände nur noch Liquidatoren (Art. 2), die Alliierte Stahlkontrollgruppe bestimmt die Einzelheiten ihrer Tätigkeit (Art. 4), nach 90 Tagen können sie durch andere Personen ersetzt werden (Art. 3), das deutsche Liquidationsrecht wird praktisch außer Kraft gesetzt (Art. 5). In der Durchführungsverordnung Nr. 2 heißt es: "Die Liquidatoren unterstehen ausschließlich den Weisungen und der Aufsicht der Alliierten Stahlgruppe und sind nur ihr verantwortlich" (Art. 1). Somit sind Aktionäre, Obligationäre, Belegschaften und Gläubiger ausgeschaltet, die Vorstände, d. h. die Liquidatoren, zu Befehlsempfängern (welche Befehle?) heruntergedrückt.

Die deutschen Vorschläge hatten dagegen vorgesehen, daß zunächst die Neuordnung der Konzerne festgelegt und von den Alliierten genehmigt wird, um dann an die Liquidation der Altgesellschaften zu gehen. Es ist ein Widersinn, zuerst zu liquidieren und dann neuzuordnen. Ist es den Alliierten wichtiger, Namen von Weltbedeutung zu beseitigen, als die Montanindustrie zu ordnen? Das Wort von der "marktbeherrschenden Machtposition" trifft doch wirklich nicht zu. Die Altkonzerne produzieren gerade 15 v. H. der westdeutschen Stahlerzeugung. – Das ist wirklich noch zuviel "Mergenthau". R./W.