Der Umschwung auf den Weltwarenmärkten auf Grund der Beunruhigung, die der Korea-Konflikt auslöst, hat auch in Südamerika eine grundsätzliche Wandlung herbeigeführt. Die außerordentliche Devisenknappheit, die zu scharfen Einschränkungen der Einfuhr, vor allen Dingen aus Nordamerika geführt hatte, beginnt einer größeren Freiheit bei den Devisenzuteilungen Platz zu machen. Bereits im ersten Halbjahr1950 war es gelungen, den Einfuhrüberschuß Lateinamerikas im Verhältnis zu den USA in einen Ausfuhrüberschuß zu verwandeln. Daran waren aber nur in geringem Maße verstärkte Ausfuhren beteiligt. Sehr viel stärker wirkte sich die Drosselung der lateinamerikanischen Käufe in den USA aus. Das war das unvermeidliche Ergebnis der Tatsache, daß die Staaten ihre Kredite auf ein Mindestmaß senkten und keine Möglichkeit bestand, durch größere Ausfuhren aus Europa auf dem Weg der Umwandlung von Pfund Sterling harte Dollar zu erhalten.

Die günstige Konjunktur der Kaffeeländer, zu denen auch Kolumbien, Venezuela und die mittelamerikanischen Länder rechnen, greift nunmehr auch auf die anderen Staaten über. Im vergangenen Jahr sah sich Chile einer Katastrophe ausgesetzt, als der Kupferpreis von 23 1/2 $cts je lb vorübergehend auf 16 $cts herunterging. Heute steht der Preis wieder auf 22 1/2 $cts und die Kupferbergwerke arbeiten mit Hochdruck, ohne der Nachfrage gerecht werden zu können. Das muß auf die Dauer eine Umkehr des Warenstromes bringen. – Aber das bedeutet für die Südamerikaner nicht ohne weiteres einen Vorteil. Sie denken an die Kriegszeit zurück, als sie dauernd lieferten, während die nordamerikanische Industrie ausschließlich, für die Rüstung beschäftigt war. Damals mußten sie Dollars aufnehmen, die von den Zentralbanken in heimische Papierwährung umgewechselt wurden, die ohne ein entsprechendes Gegengewicht an Warenangebot die Preise in die Höhe trieb und eine Inflation auslöste. Heute ist die nordamerikanische Industrie zwar nicht so sehr für den Krieg, wie voll für den eigenen Bedarf beschäftigt. Es kann der Augenblick kommen, da Südamerika über freie Dollars verfügt und sich danach umsieht, mit diesen Güter in Europa zu kaufen. Das wäre ein günstiges Vorzeichen für den sich belebenden Warenaustausch mit Deutschland. Um welchen Betrag es sich dabei handelt, läßt sich daraus ermessen, daß die ibero-amerikanischen Staaten während der Jahre 1939 bis 1946 ihre Gold- und Devisenbestände um 7 Mrd. $ anreichern konnten. Diese Reserven sind allerdings 1947 und 1948 zu einem großen Teil dahingeschmolzen.

Ein Blick auf die nordamerikanische Ausfuhrstatistik des ersten Halbjahres 1950 ist auch lehrreich, Und zwar als sie. den starken Rückgang der "nichtlebenswichtigen Artikel" zeigt, die auf Grund der fortgeschrittenen Industrialisierung Südamerikas und der staatlichen Devisenlenkung verständlich wird. So sind etwa die Textilien von 327,1 Mill. $ im Jahre 1947 auf 187,3 Mill. $ 1949 gesunken; Automobile und Zubehör von 493,8 auf 262,4 Mill., Haushaltsmaschinen, Eisschränke, Radios und Grammophonapparate von 749,3 auf 437,7 Mill. S. Dabei dürfen wir nicht vergessen, daß die glücklicheren Länder wie Kuba und Venezuela ihre Einfuhr in solchen Artikeln gehalten haben, so daß der Rückschlag fast ganz auf die devisenschwachen Länder, insbesondere Argentinien, Brasilien, Chile, Kolumbien und Mexiko, entfallen ist. Für diese Volkswirtschaften, die in einem starken Umbau begriffen sind, der sich etwa in der Zusammenballung der Menschen in den Hauptstädten äußert, war es teilweise sehr hart, daß die Einfuhr von nordamerikanischen Kraftfahrzeugen rundveg verboten werden mußte. Jetzt bietet sich die Möglichkeit, wenn die USA-Automobilindustrie für den Krieg arbeitet, Kraftfahrzeuge vielleicht aus Deutschland zu beziehen. E. S.