Die Wochenzeitung des Deutschen Gewerkschaftsbundes "Welt der Arbeit" hat wieder einmal unnötigerweise Pulver verschossen. Ziel des Angriffs war die Dividendenpolitik der Textilfirma Weber & Ott in Forchheim (Bayern), die es "wagte", neben einer 6 v. H. Jahresdividende für 1949 eine mögliche Restdividende von 3 v. H. in Aussicht zu stellen. Das Blatt schreibt: "Das sind Prof. Erhards Früchte für die Industrie".

Die Tatsachen, sprechen jedoch eine andere Sprache. Zwischen 1945 und 1949 zahlte das Forchheimer Unternehmen 1,8 Mill. Mark an freiwilligen sozialen Aufwendungen. Nachdem die Aktionäre vier Jahre leer ausgegangen waren, erhielten sie für das zweite Halbjahr 1948 und für 1949 insgesamt 443 000 DM. Wird dieser Dividendenbetrag auf die fünf Jahre umgerechnet, so kommt man zu einer Jahresdurchschnittsdividende von rund 2 v. H. – bei 2,5 v. H. Vermögenssteuer bis Ende 1948! Bis dahin mußten die Aktionäre Papiere verkaufen, um die Vermögenssteuer überhaupt bezahlen zu können. Dabei handelt es sich aber um keinen Einzelfall: bei neun wahllos herausgegriffenen Geschäftsberichten ergeben sich insgesamt 10,73 Mill. DM für freiwillige soziale Aufwendungen und 3,82 Mill. DM für Dividenden. Mit anderen Worten: die weder gesetzlich noch tariflich verankerten Sozialleistungen machen 281 v. H. der Gewinne aus. Warum aber verschweigt das Gewerkschaftsblatt die tatsächlichen Früchte von Prof. Erhards Wirtschaftspolitik? Norbert Müller