Was heute in Korea geschieht, kann morgen überall passieren." Sieben Wochen lang, vom 25. Juni bis zum 15. September, war dies in Ost und West das Fazit der Stammtischstrategen, Militärexperten und Kommentatoren. Es war die handgreiflich gewordene Erkenntnis, daß ein Verteidigungsgürtel von Lübeck über den Himalaja bis nach Wladiwostok unmöglich an jeder Stelle so stark sein kann wie der an einem beliebigem Ort angreifende Feind.

Inzwischen hat sich das Blatt auf der asiatischen Halbinsel gründlich gewendet. MacArthur ist dabei, den Nordkoreanern das Rückgrat zu brechen. Das "Schulbeispiel Korea" jedoch ist damit keineswegs überholt. Es hat nur eine Erweiterung erfahren: Wenn der Verteidigungsgürtel erst einmal an einem Punkte angegriffen worden ist, so können sich von diesem Zeitpunkt an die Verteidiger das Territorium ihres Gegenschlages ebenso aussuchen. Das Spiel geht weiter – aber möglicherweise mit vertauschten Rollen. MacArthurs Sprung über 300 Kilometer hinter die feindlichen Linien hat es bewiesen. Frohlockende und pessimistische Stammtisch Strategen, Militärexperten und Kommentatoren haben, ohne es zu ahnen, eine gültige Regel aufgestellt: "Was heute in Korea geschieht, kann morgen überall passieren..." C. J.