Die durch den Korea-Krieg ausgelöste Welle von spekulativen Voreindeckungen und somit Preissteigerungen ebbt merklich ab und schlägt sogar zum Teil um. – Gerade in einem solchen Augenblick ist es richtig, sich Klarheit? über die Faktoren zu verschaffen, die für diese Entwicklung von Bedeutung sein dürften: Die Stärke des Antriebs, den die ganze Weltwirtschaft durch die forcierte Wiederaufrüstung der Großmächte zwangsläufig erfahren muß, ist nicht zu unterschätzen.

Wie die Erfahrung der letzten Jahrzehnte zeigt, ist das gesamte Geschehen in der Weltwirtschaft von der wirtschaftlichen Entwicklung in den USA abhängig, auf die heutzutage nicht weniger als die Hälfte der Industrieproduktion der ganzen Welt, einschließlich der UdSSR und und ihrer Satellitenstaaten entfällt. Das Volkseinkommen der USA erreichte im vergangenen Jahre 254 Mrd. $ und dürfte augenblicklich bei etwa um 12 v. H. höherem Produktionsvolumen und (gemessen an den Lebenshaltungskosten) um rund 2 v. H. gestiegenen Preisen, auf das Jahr umgerechnet, etwa 290 Mrd. betragen. Selbst, wenn man davon ausgeht, daß von den bereits zusätzlich bewilligten 17 Mrd. $ Rüstungsausgaben in den USA im Laufe der nächsten zwölf Monate nur 10 Mrd. $ tatsächlich ausgegeben werden, wie es der letzte Bericht des Council for Economic Development unter Berücksichtigung der Kapazitätsgrenzen der amerikanischen Industrie andeutet, so würde doch eine solche Mehrausgabe dank ihrer sich über die ganze Wirtschaft des Landes fortpflanzenden anregenden Wirkung zu einer Steigerung des Volkseinkommens um vielleicht 40 Mrd. $ oder 15 Prozent führen; denn – die Rüstungsunternehmer und -arbeitnehmer werden ja die von ihnen im Zuge der Durchführung des Rüstungsprogramms erhaltenen Lohn- bzw. Gewinnbeträge ihrerseits wieder zur Anschaffung, sei es von Investitions-, sei von Konsumgütern verwenden, und deren Hersteller wiederum desgleichen tun. Legt man dieser Zusatzwirkung erster Geldausgabe den für die USA "üblichen" Multiplikator von 4 zugrunde, dann ergeben 10 Mrd. $ Rüstungs-(Primär-) Ausgabe eben die Steigerung des Volkseinkommens um rd. 40 Mrd. S. Die Steigerung der Industrieproduktion, auf die sich ja der Hauptteil der Mehrnachfrage richten würde, dürfte dabei wohl 20 v. H. betragen.

Das gesamte Volkseinkommen der Welt mag heute etwa 550 bis 600 Mrd. $ betragen. Nimmt man an, daß die zusätzlichen Rüstungsausgaben der übrigen westlichen Mächte in den nächsten zwölf Monaten etwa 5 Mrd. $ betragen werden, was nach dem augenblicklichen Stand der Dinge am wahrscheinlichsten ist, so würde die Gesamtheit der zusätzlichen Rüstungsausgaben der westlichen Welt in den nächsten zwölf Monaten rd. 15 Mrd. $ erreichen und so dank ihrer kumulierenden Wirkung zu einer Erhöhung des Weltvolkseinkommens um etwa 60 Mrd. d. h. immerhin um mehr als 10 v. H. führen. Und dies alles zusätzlich zu dem normalen – im wesentlichen durch den jeweiligen Umfang der regulären Investitionstätigkeit bestimmten – Wachstumstempo der Weltwirtschaft, das nach den bisherigen langjährigen Erfahrungen durchschnittlich ungefähr 3 bis 4 v. H. jährlich beträgt, gegenwärtig aber im Zusammenhang mit der infolge des überaus großen Nachholungsbedarfes fast in allen Ländern wesentlich gestiegenen Investitionsquote nicht unwesentlich höher liegen dürfte!

Aber – dies alles gilt natürlich nur für den Fall, daß die erhöhte Nachfrage nach Rüstungsgütern aller Art tatsächlich als zusätzliche Nachfrage in den betreffenden Ländern und damit auch in der ganzen Weltwirtschaft in Erscheinung tritt, d. h., daß die in Frage kommenden Staaten und vor allem die, weltwirtschaftlich gesehen, wie schon gesagt, absolut ausschlaggebenden USA die diesbezüglichen Ausgaben auf dem Wege des sog. deficit spending, der zusätzlichen Staatsverschuldung also finanzieren. In dem Maße nämlich, in dem zur Deckung von erhöhten Rüstungsausgaben Steuererhöhungen vorgenommen werden, hört die erhöhte Nachfrage nach Rüstungsgütern auf, volkswirtschaftlich gesehen, "zusätzlich" zu sein, denn es steht ihr dann die entsprechende Minderung der bis dahin von den betroffenen Steuerzahlern selbst unmittelbar entfalteten Nachfrage – vorwiegend natürlich nach Konsumgütern – gegenüber, so daß im Endergebnis keine Gesamtsteigerung der Nachfrage, sondern nur ihre Verlagerung von den Konsum- zu den Rüstungsgütern stattfindet. – Der nächste Aufsatz über dieses Thema wird daher der Frage, wie wird finanziert?, gewidmet sein. Truman hat schon die Steuern um 4,5 Mrd. $ erhöht.

W. v. Golowatscheff