Nur wenige Europäer kennen Angkor, seine großartige und überwältigende Ruinenwelt, und erlebten dort das Grauen, das Pierre Loti, den französischen Dichter, in dieser toten Stadt erfaßte. Elisabeth Schacht hat die Reise unternommen und in ihrem Buch "Eine Frau fliegt nach Fernost" (Verlag R. Piper & Co., München) beschrieben. Seit das Reich der Khmer im dreizehnten Jahrhundert unterging, wurde die Tempelstadt Angkor langsam vom Urwald verschwingen, und erst in neuester Zeit hat man sie wieder entdeckt. Gewaltige Wassergräben von 8 in Tiefe und 190 m Breite anziehen in einer Länge von 20 Kilometer die Anlage der Kultstätte. Über eine mächtige gepflasterte Brücke führt der in die eigentliche Tempelanlage, Angkor Vat, in deren Zentrum sich fünf Türme auf einem pyramidenförmigen Sockel erheben. Rund dreihundert Jahre wurde an diesem Tempel ohne eine wesentliche Änderung des Grundplans gebaut. Keine Inschrift nennt den Namen des Begründen, und anonym blieben alle mitschaffenden Künstler. Ursprünglich war die Kultstätte dem Shiva geweiht, doch wurde sie später buddhistischen Riten angepaßt.

Elisabeth Schucht hat die fernöstliche Welt der beiden Indien, Sumatras, Javas, Balis sowie Chinas und Japans mit allen den Problemen ihrer Geschichte, Kultur und sozialen Verhältnisse zu einem Zeitpunkt kennengelernt, als am Horizont die ersten Vorboten des Wirbelsturmes auftauchten, der inzwischen die gesamte Erde durchbraust hat und dessen Auswirkungen noch gar nicht abzusehen sind. Dabei hat sich gezeigt, wieviel wichtiger der gesamte Osten mit allen seinen Problemen für die Welt ist, als der Westen gemeinhin annahm, P. W. M.