in einem New-Yorker Rekrutierungsbüro für weiblichen Marine-Hilfsdienst

– ct – New York, Ende September

Der Naval Recruiting Center ist ein hohes Gebäude am unteren Broadway mit unendlichen Treppen und Gängen. Plakate an den Wänden schreien "Join the Navy" und "Wanted: Volunteers for the U. S. Marines". Überall liegen bunte Prospekte aus, die das Leben in der Navy als höchstes Glück preisen. Offenbar nicht ohne Erfolg, denn durch offene Türen sieht man junge Freiwillige emsig Formulare ausfüllen. Unwillkürlich denkt man an 1939 – aber es hat, wenn man näher hinsieht, eigentlich nichts damit zu tun. Ich erinnere mich noch an all die mühsamen und sinnlosen Diskussionen mit Freunden, die sich freiwillig meldeten, lange ehe sie aufgerufen wurden, weil sie Angst hatten, der Krieg könnte ohne sie gewonnen werden. Hier sieht es mir nicht so aus, als ob einer Angst hätte, zu spät nach Korea zu kommen. (Da 20 v. H. der dienstpflichtigen New-Yorker auf ihren Meldebefehl durch Nichterscheinen reagieren, kann man kaum sagen, daß sie sich drängeln.) Es macht den Eindruck, als ob die jungen Leute die Marine eher als einen Job betrachten – einen Job, der ihnen wesentlich mehr Vorteile als jede zivile Stellung bietet. Ein Rekrut in der Marine bekommt nämlich monatlich neben freier Station, Essen, Uniform und ärztlicher Behandlung einen Sold von 75 Dollar. Das ist viel für einen Achtzehnjährigen ohne besondere Ausbildung.

Das Rekrutierungsbüro für Mädchen liegt im zweiten Stock. "WAVE oder Nurse und wie alt?" fragte der Matrose am Information Desk. "Keins von beiden – dreiunddreißig", verwirrte ihn sichtlich. (Dreiunddreißig ist in Amerika auf jeden Fall zu alt; die übliche Antwort von Frauen, wenn sie in Einwanderungsbüros, Wahllokalen und sonstigen öffentlichen Stellen nach ihrem Alter gefragt werden, ist Twenty–one plus.) "Den Gang runter, letzte Tür links – the Lieutenant will take care of you", meinte er dann.

Der "Lieutenant" saß am Schreibtisch und telephonierte – ein ungewöhnlich hübsches Mädchen mit kurzen braunen Locken, hellblauen Augen und der natürlichen Sicherheit, die man an amerikanischen Mädchen immer wieder bewundert. Die Sommeruniform der WAVES – eine Art Waschkleid, blau-weiß gestreift mit schwarzer Krawattenschleife – stand ihr ausgezeichnet. "Die WAVES", erklärte sie, "gehören zur amerikanischen Marine und bestehen nur aus Freiwilligen, wie überhaupt das gesamte weibliche Personal der Armee, Marine und Luftwaffe freiwillig dient. Wir haben nie jemand eingezogen und werden es auch hoffentlich nie nötig haben." Die WAVES sind offenbar recht exklusiv. Hier kann keinesfalls jeder kommen. Nicht unter zwanzig und nicht über sechsundzwanzig – high school graduate (etwa dem Abitur entsprechend) – unverheiratet – amerikanische Staatsangehörigkeit – das sind die Grundbedingungen. Die Freiwilligen müssen sich für vier Jahre verpflichten.

"Was geschieht, wenn sie inzwischen heiraten?"

"Dürfen sie nicht." (Anders ist es bei der Marinereserve, wo man neuerdings sogar husbandand-wife teams hat.)