Der große Dichter okkupiert den Gegenstand nicht vollständig mit seinem Wort. Er läßt am Gegenstand einen Raum übrig, in den hinein noch ein anderer, ein Höherer, ein Wort zu dem Gegenstand sagen kann. Er läßt auch einen anderen noch teilnehmen an dem Gegenstand, er holt ihn wohl mit dem Wort zu sich, aber er behält ihn nicht ganz für sich. Eine solche Dichtung ist darum nicht starr, sondern schwebend, in jedem Augenblick bereit, einem anderen, noch Höheren, zu gehören.

Ein Bild zum Beispiel, mit dem Goethe einen Gegenstand beschreibt, erdrückt den Gegenstand nicht, im Gegenteil, es macht ihn leicht, sogar durchscheinend.

Anders ist es bei Ernst Jünger. Er okkupiert mit einem Bild vollständig den Gegenstand, er setzt ihn gefangen, er macht ihn wehrlos mit dem Bild, das den Gegenstand nicht nur bedeckt, sondern erdrückt, er nimmt ihn an sich wie etwas Erobertes: es ist keine Freiheit in einer solchen Dichtung.

Aus "Die Welt des Schweigens", Verlag, Eugen Rentsch, Erlenbach-Zürich.