Bis zum 30. August 1950 wurden allein in Schleswig-Holstein neben 70,7 Mill. DM Unterhaltshilfe nahezu 45 Mill. DM Hausratshilfe an etwa 300 000 Antragsteller mit der Maßgabe gezahlt, den Betrag zur Anschaffung von Bekleidung (Wäsche, Kleidung und Schuhwerk jeder Art), Einrichtungsgegenständen (Betten, Tischen, Stühlen und Schränken), Haushaltsgegenständen oder – falls für Berufszwecke erforderlich – Fahrrädern zu verwenden. Strittig war anfangs, ob auch Öfen und Herde beschafft werden dürften, weil sie normalerweise in den Wohnungen vorhanden sind. Die behelfsmäßige Unterbringung vieler Soforthilfe-Empfänger führte schließlich aber doch zur Bejahung dieser Frage. Um eine diesen Richtlinien entsprechende Verwendung der Gelder kontrollieren zu können, müssen die Empfänger binnen zwei Monaten einen Verwendungsnachweis an das Soforthilfeamt zurückreichen, in dem die Verkäufer Verwendungszweck und Betrag zu bestätigen haben.

Selbst wenn man berücksichtigt, daß Fälschungen durchaus möglich sind, stellen diese Nachweise im ganzen eine Marktanalyse besonderer Art dar. Da bis jetzt nur die dringendsten Anträge erledigt werden konnten – in Schleswig-Holstein bis zum 30. August etwa 67 v. H. –, sind die Nachweise mit ihren nüchternen Zahlen darüber hinaus eine erschütternde Dokumentation der Not, die heute noch in den Kreisen der Soforthilfe-Empfänger herrscht. Der folgenden Übersicht wurden 1000 wahllos herausgegriffene Verwendungsnachweise über einen Betrag von 160 000 DM zugrunde gelegt, und zwar 110 Nachweise über 100 DM (Gruppe I), 580 über 150 DM (Gruppe II) und 310 über 200 DM (Gruppe III).

Ein Überblick über die Verwendung ergibt zunächst, daß die Hausratshilfe ihrem Namen recht wenig Ehre macht: nur zwischen 1,7 und 4 v. H. des Geldes wurden in den drei Gruppen für Haushaltsartikel verwendet. Wecker und Bügeleisen wurden dabei verhältnismäßig oft gekauft, im übrigen waren bis zur Gießkanne, Tortenplatte und Volksbadewanne fast alle Gegenstände vertreten. Nur etwa jeder achte Empfänger entschloß sich, die Hausratshilfe zum Ankauf eines einzigen Gegenstandes – beispielsweise Betten oder Schränke, – zu verwenden. Am größten war bei allen Gruppen der Bedarf an Anzügen (oder Kleidern und sonstiger Oberbekleidung) und an Betten. In Gruppe I wurden 23 bzw. 21 v. H. des Geldes hierfür verwendet, während in den beiden anderen Gruppen die Beschaffung von Betten nominierte (24,5 gegen 14 v. H. bzw. 23,5 gegen 14 v. H.). Wesentliche Beträge wurden ferner aufgewendet in Gruppe I für Mäntel (10 v. H. der Summe) und Schuhwerk (7,7 v. H.), in Gruppe II und III für Schränke (14 bzw. 12 v. H.) und Schuhe (8 bzw. 13 v. H.). Demgegenüber spielte die kostspielige Anschaffung von Fahrrädern, Nähmaschinen, Öfen, Herden und Kinderwagen nur eine untergeordnete Rolle, auch Gardinen und Lampen wurden kaum erstanden. Auf Pullover und andere Winterbekleidung wurde in den meisten Fällen verzichtet, dafür aber um so mehr Wolle gekauft.

Eine Gesamtübersicht ergibt folgendes Bild der Verwendung der Gelder nach den einzelnen Hauptverwendungsgruppen (in Prozenten der Gesamtsumme):

Gruppe I Gruppe II Gruppe III

Bekleidung 61,4 51 52

Einrichtungsgegenstände 31,3 41 38