N., Rom, Anfang Oktober

Mit den Ereignissen in Korea ist auch in der italienischen Wirtschaft ein Konjunkturumschwung eingetreten. Da in Italien noch große Möglichkeiten weiterer Produktionsexpansion bestehen, sind die verantwortlichen Wirtschaftskreise überzeugt, daß eine Rüstungsproduktion für die Landesverteidigung, wie sie im Friedensvertrag vorgesehen ist, keinen Anlaß für Verbrauchseinschränkungen bieten wird. Die Preishausse, die in anderen Ländern schon im Juni einsetzte, ergriff Italien Mitte Juli und erreichte Mitte August ihr Maximum. Gleichzeitig zogen die Aktienkurse an. Bemerkenswert war die bedeutende Kursverbesserung der meisten Aktien von Eisen- und Maschinenindustrien. Denn wenn auch die bevorstehende Liquidierung des "Fondo per il finanziamento delle Industrie meccaniche" eine weitere staatliche Finanzierung bedrohter Betriebe ausschließt, so gab doch die Regierung bekannt, daß große Aufträge für – Eisenbahnmaterial vergeben werden.

So gibt der Konjunkturbericht der Mailänder Handelskammer fast für alle Sektoren ein optimistisches Bild. Er hofft, daß die Rüstungs-, kredite, die die amerikanische Regierung erhalten hat, sich ebenfalls auf die italienische Exportindustrie auswirken werden. Inflationistische Gefahren seien nicht zu befürchten, da man noch über große Rohstofflager verfügt und die Preise auch bei einiger Steigerung nicht sofort die Löhne nach sich ziehen müssen. Der Präsident des italienischen Handelsverbandes erklärte, daß die ausländische Haussewelle in Italien nur schwache Auswirkungen habe; der gegen Ende Juli beginnende Preisauftrieb hätte nur wenige – Produkte erfaßt und die Kaufkraft der Lire nicht berührt. Er beurteilt es geradezu günstig, daß die internationale Konjunktur die seit drei Jahren in Italien zu beobachtende Baisse aller Preise zum Stillstand gebracht hat, wie auch Industrie- und Handelsminister Togni die Preiserhöhung landwirtschaftlicher Produkte eine gesunde Anpassung nannte, da die Preise nicht mehr kostendeckend waren und die Regierung vor der Notwendigkeit von Preisstützungen stand.

Nach übereinstimmender Auffassung maßgeblicher Wirtschaftsführer besteht weder ein Grund zu Kreditbeschränkungen noch zu Steuererhöhungen oder gar zur Preiskontrolle und Rationierung. Das Problem der Regierung, die das Gleichgewicht zwischen Produktion und Verbrauch – also die Währungsstabilität – erhalten muß, ist dieses: Produktionserhöhung mit den Mitteln der Privatinitiative, bei Ausschaltung aller Elemente, die etwa eine nennenswerte Schwächung der Kaufkraft der Lire wünschen könnten.