Bernard Shaws späte Komödien sind, nicht anders als die Werke seiner klassischen Zeit, den Avantgardisten des Theaters um ein Jahrzehnt voraus. Was er 1936 auf der Insel der Überraschungen sich abspielen läßt, glauben nach 1945 die jungen Dramatiker eigens für die Bühne entdeckt zu haben: das jüngste Gericht über den total technisierten Menschen, den Hohn auf die politische Machtgier, die Blamage des "gesunden Menschenverstandes". Ja, noch mehr: den Verzicht auf theatralischen Aufwand, die Spielbarkeit für junge, enthusiastische Darsteller. Der hochkonzentrierte, der Schattierungen entbehrende Bühnenstil des späten Shaw verlangt geradezu nach simplen Mitteln, nach der Ausschaltung optischer Reize

Unternehmungen wie die Studiobühne der Brücke in Hamburg sind darum unentbehrlich, gerade wegen ihrer dürftigen Aussattungsmöglichkeiten und ihres Einschlages von Laienspiel. Der bisherige Spielplan zeigt, daß der Initiator, Gert Omar Leutner, den treffenden Blick für das Geeignete hat: Sartres "Tote ohne Begräbnis", Sean O’Caseys "Pflug und Sterne" (eine Dichtung, die dem Experimentaldrama unserer Tage um ein Vierteljahrhundert zuvorkam) und nun Shaws erhabene Burleske. Alles intensiv und überzeugt auf die Szene gebracht. C. E. L.