Der Wechsel Johnson–Marshall hat seine erste außenpolitische Konsequenz gezeigt: Präsident Truman hat das State Department angewiesen, neue Wege für einen Friedensschluß mit Japan vorzubereiten. Die bisher auseinandergehenden Ansichten von State Department und Verteidigungsministerium über außenpolitische und militärische Notwendigkeiten im zukünftigen japanischen Friedensvertrag sind also anscheinend durch den Wechsel des Verteidigungsministers beseitigt worden.

John Foster Dulles, der in der Japanpolitik des State Department federführend ist, hat für seine Vorbesprechungen mit den anderen für einen allseitigen Friedensvertrag mit Japan Zuständigen zwölf Mitgliedern der "Fernost-Kommission" wohl folgende Marschrouteerhalten:Die Vereinigten Staaten vertreten die Auffassung, daß ein allseitiger Friedensvertrag so schnell wie möglich abgeschlossen werden muß. Ist dies wegen der Haltung der Sowjetunion, die gegen die Beschlüsse der "Fernost-Kommission" ein Veto einlegen kann, nicht möglich, so soll unter Berücksichtigung der Ansichten der übrigen alliierten Mitgliedsstaaten, insbesondere Australiens und der Philippinen, ein Sonderfrieden mit Japan abgeschlossen werden, wobei Japan lediglich die vier Heimatinseln Kiuschu, Schikoku, Honschu und Hokkaido umfaßt. Durch den Friedensvertrag würden also die im Waffenstillstand von Japan übergebenen Inseln Formosa, die Riukiu- und Bonin-Gruppe, die Kurilen und die Südhälfte von Sachalin sowie die Rechte in der Mandschurei, die Rußland nach dem russisch-japanischen Krieg in Japan zedieren mußten nicht berücksichtigt werden. Über das Schicksal von Formosa soll in der UNO entschieden werden. Südsachalin und die Kurilen sind bekanntlich von den Russen besetzt, während die Riskiu- und Bonin-Inseln von den Vereinigten Staaten okkupiert wurden.

In Washington ist man zu dem Entschluß gekommen, sich in einem Friedensvertrag mit Japan keine militärischen Stützpunkte auf den vier Heimatinseln zu sichern. Dagegen streben die Vereinigten Staaten danach, daß die Riukiu- und Bonin-Inseln unter UNO-Treuhänderschaft gestellt und daß die USA selbst – wie im Falle der Marshall-, Marianen- und Karolinen-Inseln – als Treuhänder eingesetzt werden.

Eine weitere von Washington vorgesehene militärische Sicherung besteht in vertraglichen Abmachungen mit einem wieder souverän gewordenen Japan: Man möchte auch auf den Japanischen. Heimatinseln wie zum Beispiel in Ingland amerikanische Stützpunkte unterhalten.

Die Vereinigten Staaten sind gegen irgendwelche Beschränkungen einer eventuell wieder aufzubauenden Wehrmacht, der Kapazität und Produktion der Industrie sowie des Handels. Washington ist sogar bereit, sich nach erfolgtem Friedensschluß für die Aufnahme des ehemaligen Feindes in die UNO einzusetzen.

John Foster Dulles hat inzwischen in New York seine Gespräche mit maßgebenden Vertretern alliierter Länder, die der "Fernost-Kommission" angehören, begonnen. Er hofft, diese Gespräche in zwei Monaten beendet zu haben, so daß dann also entschieden sein wird, ob mit Japan ein allseitiger Friedensvertrag oder ein Sonderfrieden abgeschlossen wird. Die größere Wahrscheinlichkeit spricht für einen Sonderfrieden. Washington wird sich beeilen, einen solchen Friedensschluß noch während der 1951 ablaufenden Amtszeit der Regierung Yoschida zustande zu bringen, mit der bereits eine weitgehende Einigung auch über das gegenseitige Verhältnis nach Abschluß des Vortrages hergestellt zu sein scheint. E. K.