Als "krönenden Abschluß der fortschrittlichen Gesetzgebung" verabschiedeten in der vergangenen Woche beide Kammern der Sowjetzone einstimmig ein "Mutter- und Kinderschutzgesetz". In einer Bevölkerung, die sicher sei, daß sie den Plan erfülle, so erklärte Ministerpräsident Otto Grotewohl, hätten die Mütter den Stolz, mehr als zwei Kinder zu haben. Einen Vergleich mit der Bevölkerungspolitik Hitlers lehnte er jedoch vorsorglich und energisch ab. Die nazistische Bevölkerungspolitik habe dem Kriege gedient, die bolschewistische diene dem Frieden.

"Wir müssen unsere Bevölkerung quantitativ steigern", rief er dann mit Feuer aus. Allein, der eifrige Ministerpräsident mußte erneut vernehmen, daß er nicht als erster den Segen des Kinderreichtums voll begriffen habe. Der Dank aller deutschen Frauen, so ergänzte nämlich Genossin Elli Schmidt vom Demokratischen Feuerhund seine theoretischen Ausführungen durch praktische Beispiele, der Dank aller deutschen Frauen gehöre den Sowjetsoldaten, "die uns so selbstlos geholfen haben". Die ruhmreiche sowjetische Armee habe als erste die "Frauenbelange" in Deutschland erkannt ...

Weiß Gott, wie konnte Genosse Grotewohl das nur vergessen! – Hat er noch nie davon gehört, wie ruhmreich und selbstlos die tapferen sowjetischen Soldaten mit dem Ruf "Komm Frau" auch auf diesem Schlachtfeld im Namen Stalins für den Frieden der Zukunft gekämpft haben?

C. J.