Wenn die Kriegsverbrecherprozesse geführt wurden, um der Verhinderung von Kriegen oder auch nur der Humanisierung der Kriegführung zu dienen, dann muß man leider heute schon sagen, daß dieser Zweck völlig verfehlt worden ist. Der Krieg in Korea, obwohl ein verhältnismäßig kleines Unternehmen, ist jedenfalls mit einer Rücksichtslosigkeit geführt worden, die auch für die Zukunft Schlimmes befürchten läßt. Nach amerikanischen Schätzungen sind in Seoul allein 30 000 Menschen ums Leben gekommen, von denen zwei Drittel durch Nordkoreaner hingerichtet oder sonst ermordet worden sind. Weitere 20 000 Personen wurden auf dem Rückzug nach Nordkorea in Fesseln mitgeschleppt. An verschiedenen Orten haben die Amerikaner auf ihrem Vormarsch die Leichen ermordeter Kameraden gefunden, die in Gefangenschaft geraten und von den Kommunisten vor dem Rückzug erschossen worden waren, zuletzt in Taejon nicht weniger als vierzig; dazu fand man vierhundert Leichen ermordeter Südkoreaner. Im ganzen Land scheint es solche "katynische" Friedhöfe zu geben.

Vor einigen Tagen veröffentlichte das Washingtoner Verteidigungsministerium eine Erklärung des amerikanischen Oberstleutnants John H. Vliet, der in deutscher Kriegsgefangenschaft war und 1943 unter Zwang zusammen mit einigen anderen alliierten Offizieren nach Katyn gebracht wurde, um als Zeuge an der Exhumierung der dort ermordeten polnischen kriegsgefangenen Offiziere teilzunehmen. Van Vliet sagte, er habe diese Reise sehr ungern mitgemacht, weil er auf Grund der Zeitungsmeldungen überzeugt gewesen sei, daß die Deutschen selbst die Schuldigen gewesen wären und nun einen Propagandatrick versuchten. Als er jedoch das Beweismaterial gesehen hätte, sei er vom Gegenteil überzeugt gewesen. Den deutschen Behörden gegenüber weigerte er sich, eine Erklärung abzugeben. Dagegen berichtete er nach seiner Befreiung im Mai 1945 dem stellvertretenden Stabschef des militärischen Nachrichtendienstes, General Bissel, über sein Erlebnis. Er erklärte: "Ich glaube, daß die Russen es getan haben. Das glaubten auch die anderen Offiziere." Van Vliet erhielt den Befehl, die ganze Angelegenheit geheimzuhalten. Sie ist daher erst jetzt, fünf Jahre später, ans Licht der Öffentlichkeit gelangt, in einem Zeitpunkt, da die Kommunisten bereits wieder in einem neuen Krieg neue Massengräber hinterlassen ... H. A,