In unserem Aufsatz "Warum Rüstungsboom?" "Die Zeit" v. 28. 9. 50) haben wir festgestellt, daß der im Zusammenhang mit der Durchführung des neuen Rüstungsprogramms der westlichen Welt direkt oder indirekt (durch Weiterverwendung der Rüstungsverdienste.der Unternehmer, Lieferanten und Arbeiter) entstehende zusätzliche Bedarf nun eine allgemeine Produktionssteigerung um etwa 15 v. H. in den USA und um mehr als 10 v. H. in der ganzen Welt erforderlich machen würde, wenn er zusätzlich in Erscheinung träte, und daß es daher für die Beurteilung der Auswirkungen der Aufrüstung auf die Weltwirtschaft entscheidend auf die Art der Finanzierung der Rüstungsausgaben ankommt.

Eine erhebliche allgemeine Ausweitung der amerikanischen und der gesamten Welterzeugung per "defioit spending" dürfte, wie aus zahlreichen Anzeichen hervorgeht, die Grenzen überschreiten, die bei einem nahezu überall in der westlichen Welt bereits erreichten Zustande der praktischen Vollbeschäftigung durch die gegenwärtig noch vorhandenen Reserven, sowohl an technischer Produktionskapazität als auch an menschlicher Arbeitskraft, sehr eng gezogen sind. Man braucht nur an die nahezu volle Ausnutzung der Leistungskapazität der Stahlindustrie in fast allen maßgebenden Ländern (Deutschland bildet in dieser Hinsicht die einzige ins Gewicht fallende Ausnahme; aber auch hier ist die Leistungsreserve bekanntlich nicht mehr sehr groß) zu denken, an die zunehmende Knappheit an fast allen Nichteisenmetallen, Holz usw., an die immer länger werdenden Lieferfristen der Investitionsgüter-Industrien in aller Welt und an die (mit Ausnahme von Deutschland, Belgien und Italien) durchweg nur noch minimale Arbeitslosigkeit, um diese Grenzen klar zu erkennen.

Die zur gleichzeitigen Deckung sowohl des bisherigen normalen als auch des durch das neue Rüstungsprogramm verursachten zusätzlichen Güterbedarfes erforderliche Produktionsausweitung läßt sich also weder in den USA noch in der ganzen Weltwirtschaft ohne sehr erhebliche Neuinvestitionen in den Engpaßbranchen, d. h. überhaupt nicht von heute auf morgen, erzielen. Zu einem sehr erheblichen Teil kann daher die mit der Durchführung des Rüstungsprogramms zusammenhängende Güternachfrage nur auf Kosten der normalen Nach frage gedeckt werden, die also auf alle Fälle eine entsprechende Einschränkung erfahren muß, bis eine entsprechende Kapazitätsausweitung oder aber eine Verringerung des Rüstungsbedarfes erfolgt ist.

Es liegt unter diesen Umständen auf der Hand, daß eine Politik der Finanzierung der zusätzlichen Rüstungsausgaben auf dem Wege des "defioit spending" nur in dem bescheidenen Umfange Sinn haben kann, in welchem die durch sie geschaffene zusätzliche Kaufkraft noch auf dem Wege der entsprechenden Erhöhung des Produktionsvolumens befriedigt werden kann; darüber hinaus durchgeführt, würde sie eine echte Inflation bedeuten und nur noch sinnlose Preissteigerungen bewirken können.

Gerade in den für die gesamte Weltwirtschaft ausschlaggebenden USA, die ja auch die Hauptlast der Aufrüstung tragen müssen, wäre die Inflationsgefahr besonders groß, zumal, wenn man berücksichtigt, daß dort im letzten Finanzjahr 1949/50 im Gegensatz zu den vorangegangenen Jahren ohnehin schon – nicht zuletzt aus konjunkturpolitischen Gründen – eine Politik des sehr billigen Geldes betrieben worden ist. Der Beweis:

Mrd. $ 1947/48 1948/49 1949/59

Staatseinnahmen 45,4 41,6 38,9