Die Fülle des in den Konzerten der Sängerbundeswoche in München Gladbach innerhalb von drei Tagen Gebotenen überschritt fist die Aufnahmefähigkeit des normalen Hörers: nicht weniger als 130 (wenn zum Teil auch kleinere) Chorwerke von 57 Komponisten, geschrieben für alle Formen vom einfachen Volksliedsatz las zur orchesterbegleiteten. Kantate, alles Kompositionen, die, von wenigen Ausnahmen abgsehen, erst in den letzten Jahren entstanden sind; Diese Veranstaltung, vom Deutschen Sänger bund 1927 unter Mitarbeit des damaligen Allgemeinen Deutschen Musikvereins erstmalig organisiert, hat den Sinn, einen Überblick über das zeitgenössische Chorschaffen zu, geben uad in ipustergültigen Aufführungen dafür zu werben. Das ist besonders wichtig für den in seinem Stil etwas festgefahrenen Männerchor, der allein zahlenmäßig so stark Im Kulturleben vertreten Ist, daß er schon deshalb jede Hilfestellung bei der NiVeauhebung verdient.

In der Tat zeigte auch diese, Woche, mit der der heute wieder 6000 Chöre umfassende DSB seine Tradition wieder aufnimmt, daß allmählich, aber deutlich spürbar, ein neuer Geist in die Chöre einzieht, Wenn hier Hiademith mehr mals erbeten war, wenn Lendvais Schaffen im Vordergrund stand und selbst Distlers seh wie sriger Satz nicht nwr hervorragend geboten wurde, sondernauch starken Anklang fand, so ist das ein Zeichen, daß irgendwie eine Änderung eingetreten ist. Nebenden bekannten Ghorkomponistee w> Knab, Stürmer, Lang, Rein, Sendt waren auch neue, unbekannte Tonsetzer vertreten, die <" rsc hier in die breitere Öffentlichkeit gerückt wurdea. So der in Süddeutschland lebende Fritz Rocischuh, der mit Busch Madrigalen einen ausgesprochenen Erfolg hatte, daneben der Rheinländer Hajo Kelling, dessen "Bergkantate" (mit Sopransolo und Bratsche) eine persönliche Note aufweise, Obwohl die Volkstümlichkeit der Dichtung w ie der Komposition bei den so unterschiedlich ?asamniengesetzten Chören des Bundesländer ein begreiflich wichtige Rolle spielt, stieß man andererseits auch in die Problematik, vor. Daß mal neben einer einfachen Volksliedbearbeitung etwa die SiiesTOsgesänge des Darmstädters Hermann, Heiß zu Gehör brachte und Erich Sehlbachs "Mater venus", ist ein Sympton dieser Wagemut? gen Vielseitigkeit. Aus der Menge der Werk® wären die frische nd musikantische Kantafa "Musiken Klang des Hamburgers Hermann Brdien, Seaianfed>er eigener Art vo Stürmer und die Silesiusmotette von Willy Sendt neben der "Farbenfuge" des Österreichers Otto Siegl hei vorzuhaben.

Die reproduktiven chorischen Leistungen zeigten zum Teil einen erstaunlich hohen Grad. Auch oue Wännerchöre wurden größtenteils ihren Aufgaben in erfreulichem Maße gerecht, wobei freilich immer wieder festzustellen <st, daß nicht alle Dirigenten die Fähigkeit haben, sich auf die aufgelockerte Darstellung der Zeitgenossen umzustellen. Im Ganzen bewies die Sechste Sängerbundeswoche, daß die deutsche Chormusik auf einem sehr gesunden Fundament steht. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse werden sich ohne Ze fel Auswirken ftanz Josef Eigens