DIE WOCHE

UNO-Truppen General MacArthurs überschritten den 38. Breitengrad und drangen in Nordkorea ein. Ihre Stärke wird mit 175 000 Mann angegeben. Zuvor hatte die Vollversammlung der Vereinten Nationen, mit überwältigender Mehrheit eine Empfehlung angenommen, in der "alle geeigneten Maßnahmen zur Herstellung stabiler Verhältnisse in ganz Korea" gefordert wurden.

General MacArthur forderte den nordkoreanischen Oberkommandierenden Kim Il Sung und seine Streitkräfte "zum letzten Male" zur Übergabe auf.

Der sowjetische Außenminister Wischinsky legte der UNO Dokumente vor, die die Angriffsabsichten Syngman Rhees auf Nordkorea beweisen sollen. Sie waren von den Nordkoreanern in Seoul erbeutet worden. Unter ihnen befand sich die Abschrift eines Briefes von Rhee an seinen alten Freund und Berater, den amerikanischen Professor Robert T. Oliver, in dem Rhee darum bittet, der Empfänger möge sich in Washington dafür einsetzen, daß die amerikanische Regierung ihre Zustimmung zu einem Angriff auf Nordkorea gibt. Professor Oliver erklärte, er habe in der Tat einen solchen Brief erhalten.

Harold E. Stassen, ein führender Republikaner, hat Stalin in einem Brief um eine Unterredung gebeten, in der ein neuer Weg zum Weltfrieden gefunden werden solle. Politische Kreise bezeichneten diesen Schritt als republikanisches Wahlmanöver.

Die französische Offensive in Indochina ist zum Halten gekommen. Die Guerillatätigkeit der Aufständischen nahm zu.

Der Dalai Lama schrieb einen Brief an den indischen Ministerpräsidenten Pandit Nehru, über dessen Inhalt strengstes Stillschweigen bewahrt wurde. Man nimmt jedoch an, daß er die rotchinesischen Ansprüche auf Tibet behandelt.

Der holländische Ministerpräsident Drees übermittelte dem indonesischen Premier Natsir eine Botschaft, in der er erklärte, daß die niederländische Regierung über eine von der indonesischen Regierung eingeleitete Militäraktion gegen die Südmolukken "tief bestürzt" sei. Gleichzeitig baten die "Aufständischen" auf den Südmolukken telegraphisch Australien um Hilfe und wandten sich an die UNO mit dem Ersuchen, sie solle die indonesische Regierung bestrafen.

DIE WOCHE

Der Führer der Rifkabylen, Abd el Krim, forderte in einer Botschaft die Marokkaner auf, den Dienst in der französischen Armee zu verweigern. "Vergießt euer Blut nicht für die Imperialisten; verschiebt nicht den Zeitpunkt eurer Befreiung, indem ihr die fremde Unterdrückungsmacht stärkt", heißt es in diesem Manifest.

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In London verlautete, daß die amerikanische Regierung zur Zeit erwäge, nicht General Eisenhower, sondern General Lucius D. Clay als Chef des geplanten atlantischen Oberkommandos vorzuschlagen.

Die Türkei und Griechenland wurden eingeladen, an den Planungsarbeiten der Atlantikpakt-Staaten zur Verteidigung des Mittelmeerraumes teilzunehmen. Beide Regierungen nahmen das Angebot an.

Der Jahreskongreß der britischen Labour Party in Margate lehnte mit überwältigender Mehrheit eine Beteiligung Großbritanniens am Schuman-Plan ab.

Der finnische Gewerkschaftskongreß kündigte für den 22. Oktober einen Generalstreik an, wenn bis dahin seine Lohnforderungen nicht erfüllt seien. 115 000 finnische Arbeiter befinden sich bereits seit fünf Wochen im Ausstand.

Der von den Kommunisten inszenierte Streik in Österreich brach zusammen, nachdem die sowjetische Besatzungsmacht von den Streikenden abgerückt war und sowohl die britische als auch die amerikanische Regierung dem österreichischen Kabinett ihre Unterstützung zugesagt hatten.

DIE WOCHE

England, Frankreich und die Vereinigten Staaten haben sich, einem Bericht des Observer zufolge, geeinigt, Jugoslawien im Falle eines sowjetischen Angriffs militärische Hilfe zu leisten.

Mindestens 1000, vermutlich sogar über 2000 sowjetische Ausbildungsoffiziere verwandeln, Berichten aus Prag zufolge, das tschechoslowakische Heer zur Zeit in eine "Rote Armee". Auch ein sowjetischer Marschall, der nach dem Muster Rokossowskis in Polen das Oberkommando übernehmen soll, wird in Kürze erwartet.

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Der Innenminister der Bundesrepublik, Heinemann, trat zurück. Als Grund gab er seine Differenzen mit dem Kanzler über die Wiederaufrüstung an.

Der britische Außenminister Bevin erklärte, daß Deutschland so lange ein Gefahrenherd bleiben werde, wie im Osten ein autoritäres System unter sowjetischer Kontrolle bestehe.

Der französische Außenminister Schuman sprach sich erneut dagegen aus, gegenwärtig deutsche Truppenkontingente in eine internationale Streitmacht einzugliedern. "Deutschland muß seinen Beitrag zu den gemeinsamen Verteidigungsbemühungen leisten", sagte er . "Der Gedanke, daß deutsche Militäreinheiten jetzt in diese Verteidigung einbezogen werden, ist indessen verfrüht da wir selbst zu wenig Waffen haben und Deutschland nicht vor uns bewaffnen dürfen."

Der amerikanische Hohe Kommissar McCloy betonte in einer über alle deutschen Sender verbreiteten Ansprache noch einmal, daß die Alliierten jeden Angriff auf die Bundesrepublik oder auf Berlin – von welcher Seite er auch kommen möge – als einen Angriff gegen sich selbst betrachten würden. Jeder deutsche Beitrag zur Verteidigung Europas müsse auf der Grundlage der fairness und innerhalb einer einheitlichen europäischen Verteidigung geleistet werden. Das bedeute, daß keine nationale deutsche Armee gestattet werde. Die USA und ihre Alliierten, würden niemals daran denken, um die deutsche Unterstützung zu schachern. "Weder kaufen wir uns Alliierte, noch zwingen wir jemanden, unser Verbündeter zu sein."

DIE WOCHE

Im Kreis Holzminden wurden durch die Herbstmanöver der britischen Truppen nach vorläufigen Feststellungen Schäden in Gesamthöhe von etwa 200 000 Mark angerichtet.

Mehr als 600 leitende Funktionäre der SED sind bisher der Säuberungsaktion zum Opfer gefallen, die der Generalsekretär der Partei, Ulbricht, im August angeordnet hatte.

Nach einer Mitteilung des Sowjetzonen-Ministeriums für Handel und Versorgung werden in den nächsten Tagen in der Sowjetzone die ersten Textilien punktfrei zum Verkauf gelangen. Es sind dies rote und schwarz-rot-goldene Fahnen, die nur in Einzelstücken abgegeben werden, "damit möglichst breite Bevölkerungskreise Gelegenheit zum Erwerb einer Fahne haben". C. J.