Die Hamburger Galerie Hoffmann zeigt vom 11. Oktober bis 15. November Gemälde und Graphiken des Holländers Melle.

Sein voller Name ist: Melle Johannes Oldeboerrigter. Früher war er Typograph in einer Amsterdamer Zeitungsdruckerei. Vor etwa fünfzehn Jahren begann er nebenbei zu zeichnen und zu malen. Während der deutschen Besetzung in Holland war er längere Zeit arbeitslos und malte nur noch. Die Bilder erregten einiges Aufsehen, und er fand Förderer, die ihn ermunterten, sich ganz seiner Liebhaberei zu verschreiben.

Heute arbeitet Melle– auf seine Art eine Berühmtheit – in zwei Ateliers. In dem einen malt er tagsüber seine Ölbilder, in dem anderen zeichnet er nachts mit Feder, angespitzten Streichhölzern, Holzstäbchen oder mit dem Silberstift. Wenn er tags oder nachts durch die Stadt streift, dann meist ohne Skizzenbuch. Denn er verläßt sich ganz auf seine wild wuchernde Phantasie.

Wohlwollende haben ihn zu dem großen Hieronymus Bosch in Parallele gebracht. Aber während Bosch, der gläubige Sohn der Kirche, die Dämonen mit dem Zeichen des Kreuzes bannte, ist Melle, Sohn des "Zeitalters der Ärgst" (Auden), von ihnen gepackt. Es ist eine phantastische, beklemmende Welt, die Melle, der Autodidakt und Sonderling, auf Papier, Leinwand und Holz entwirft. Kreaturen der Erde begegnen sich mit solchen des Himmels und der Hölle. Fische fliegen durch die Luft. Menschen werdet, zu Tieren, Tiere vermenschlichen. Aus Bäumen wachsen groteske Gestalten und in den Gestalten wuchern Landschaften aus "nie geschauten Welten" (Uxküll).

Eine Merkwürdigkeit am Rande der Kunst, ein Grenzfall zwischen Surrealismus und Schizophrenie, eine Fundgrube für Snobs (besonders aus der Neuen Welt) – aber auch ein Studienobjekt für Tiefenpsychologen. Dies vor allem.