Fast 40 Millionen DM beträgt das Defizit des Landes Südbaden für das Rechnungsjahr 1950/51. Der südbadische Landtag und die südbadische Bevölkerung erfuhren jetzt, nachdem sie vor 14 Tagen gegen den Südweststaat und für den alten badischen Staat gestimmt hatten, das finanzielle Debakel – man kann auch sagen; die Pleite des Landes Südbaden. Die Verlesung des Haushaltsplanes hatte man in Freiburg verschoben, bis die Volksbefragung vorbei war. Aber vielleicht kommt diese Verschiebung nicht nur den politischen Zielen der Regierung Wohleb zugute: auch von den Württembergern, die für den Südweststaat stammten, hätte vielleicht mancher anders gewählt, wäre er vor der Abstimmung über den Umfang des finanziellen Minus im südbadischen Haushalt unterrichtet worden. Denn wer nimmt gern einen Schuldner ins Haus

Freilich hat die südbadische Regierung vor der Abstimmung auf die kulturelle Tradition Südbadens hingewiesen: schon aus diesem Grund allein müsse der altbadische Staat wiederhergestellt werden. Aber wer soll eigentlich in Zukunft die Universität oder die Musikhochschule Freiburg bezahlen? Und wie wird es der Universität Heidelberg ergehen oder der Technischen Hochschule in Karlsruhe, wenn sie einem altbadischen Staat angeschlossen werden, der für sich allein finanziell niemals so kräftig sein würde wie der geplante Südweststaat?

In der Debatte im Freiburger Landtag, die der Verlesung des Haushaltplanes folgte, berief sich Ministerpräsident Wohleb nach der Erklärung der Opposition, daß die Finanzbasis des Landes eben zu klein sei, auf das in der Abstimmung gegebene Vertrauen der Bevölkerung Südbadens; – und damit hatte sich dann der Zirkel der Freiburger "Außenpolitik" wieder geschlossen? denn dieses Vertrauen war ja eben vor der Verlesung des Haushaltsplanes ausgesprochen worden ... P. H