Die von Papst Pius XII. am 23. September erlassene Adhortatio ad Clerum universum (nach der italienischen Übersetzung im Osservatore Romano: "Ermahnung an den Klerus der katholischen Kirche über die Heiligkeit des Priesterlebens") ist nicht nur eine Ermahnung an die katholische Priesterschaft, sondern an alle diejenigen Katholiken, die bisher glaubten, in der "angewandten Religion", also in der Übertragung des Christentums auf das soziale und politische Gebiet, Christus mehr zu dienen als in der inneren Seelenandacht.

Ihnen sagt Pius XII., daß er Sorge trage um "alle diejenigen, die unter den besonderen Umständen des Augenblicks sich in den Strudel äußerlicher Tätigkeiten gestürzt haben und so die hauptsächliche Pflicht des Priesters vernachlässigen: die eigene Heiligung". Als Appell an alle Katholiken erscheint die Verurteilung "derjenigen, die zu behaupten wagen, daß man die Welt auf dem Wege dessen retten kann, was richtigerweise ‚Ketzerei der Aktion‘ genannt worden ist: jener Aktion, die ihre Grundlage nicht in der Hilfe-der Gnade hat und sich nicht fortwährend der uns von Christus gegebenen Mittel bedient, die zur Erreichung der Heiligkeit notwendig sind."

Einige Untertitel der päpstlichen Ermahnung deuten an, welche Seiten des religiösen Lebens von den "Ketzern der Aktion" vernachlässigt werden: "Notwendigkeit des Gebetes und der Pietät – innere Betrachtung über die himmlischen Dinge – Gewissensprüfung" – kurz: die kontemplativen Seiten.

Das Schlagwort "vom Gegner lernen" – wobei es sich vor allem um den kommunistischen Gegner handelte – hatte sich nicht zuletzt auch in vielen führenden Kreisen der Millionen-Organisation der "Katholischen Aktion" ausgebreitet. Pius XII. hat den warnenden Finger erhoben: "vom Gegner lernen" heißt, sich seiner Mittel bedienen; aber die Natur der Mittel beeinflußt den Zweck: materielle Mittel materialisieren den Geist. F. G.