DIE ZEIT

Freiburger Defizit

Fast 40 Millionen DM beträgt das Defizit des Landes Südbaden für das Rechnungsjahr 1950/51. Der südbadische Landtag und die südbadische Bevölkerung erfuhren jetzt, nachdem sie vor 14 Tagen gegen den Südweststaat und für den alten badischen Staat gestimmt hatten, das finanzielle Debakel – man kann auch sagen; die Pleite des Landes Südbaden.

Schwerres Sprack

Das Verkehrsamt der Stadt Berlin hat eine Werbebroschüre herausgegeben, die auf deutsch den Titel trägt: „Eine der interessantesten Städte Europas: Berlin“.

Politik der Maginotlinie

Nun, die Antwort müßte lauten: Die Politik ist weder alliiert noch deutsch gewesen, und zwar aus einem sehr einfachen Grunde: es hat sie überhaupt bisher nicht gegeben.

Berlin ist lebensfähig

Ist die Position Berlins wirtschaftlich zu halten oder muß dieser Vorposten der freien Welt als unrentabel abgeschrieben werden? Diese Frage läßt die einflußreiche, den Republikanern nahestehende New York Herald Tribüne in der Ausgabe vom 30.

Stoßtrupp Kummernuß

Man wünsche Planwirtschaft – so hat ja kurz und bündig die Erklärung gelautet, die kürzlich auf der großen öffentlichen Kundgebung der Gewerkschaften in Düsseldorf vorgetragen wurde.

Totalitäre Reisende...

In einem kürzlich gegen den Einspruch Trumans vom Kongreß beschlossenen Gesetz über die Bekämpfung des Kommunismus in den USA sind, neben Bestimmungen über die Registrierung der Kommunisten und über die Internierung gefährlicher Elemente im Falle eines Notstandes, auch Vorschriften zur weiteren Erschwerung der Einreise und Einwanderung von Kommunisten und anderen Totalitären enthalten.

Pseudo-Staat der Sowjetzone

Am 7. Oktober 1950 war ein Jahr seit dem kommunistischen Staatsstreich in der Sowjetzone vergangen. Eine Woche später sollen ihm die Scheinwahlen vom 15.

DIE WOCHE

UNO-Truppen General MacArthurs überschritten den 38. Breitengrad und drangen in Nordkorea ein. Ihre Stärke wird mit 175 000 Mann angegeben.

Jubiläumsreden ohne Programm

Die Führung der Labour Party hatte es darauf angelegt, auf dem 50. Jubiläums-Parteitag in Margate als „einheitliche Front“ zu erscheinen.

Das Parlament untersucht

Gegen den Bundestag wurden vor der Öffentlichkeit schwere Vorwürfe erhoben: Etwa hundert Abgeordneten seien anläßlich der Wahl des vorläufigen Bundessitzes Bestechungsgelder angeboten worden.

Zwischen BHE und Bayernpartei

Ein Vorfall, der sich kürzlich im Bayerischen zutrug, gibt uns den Anstoß zum Thema. Im Bayerischen ... Man weiß, was das unter gewissen Umständen für den Ortsfremden, den Zuag’reisten, den Flüchtling heißt.

Zum zweiten Mal Getulio Vargas

grellen Farben an Hauswände und auf Straßenasphalt gemalte Drohung des „kleinen Mannes“ an diejenigen Kreise, die am 25. Oktober 1945 durch einen unblutigen Militärputsch den brasilianischen Staatspräsidenten Dr.

Berlin, wie es war

Symphonie einer Weltstadt“ nennt Leo de Laforgue im Untertitel seinen abendfüllenden Kulturfilm „Berlin, wie es war“. Da dem Schöpfer dieser Bildkomposition heute, nachdem so vieles zerstört und für immer dahin ist, nur das in Archiven und Safes Verbliebene und also gewiß nicht Vollständige zur Verfügung stand, hat er sich an manchen Stellen zu allzu liebevollem Verweilen verleiten lassen.

Palastrevolution in Lake Success

Wie sehr unterscheidet sich die fünfte UNO-Vollversammlung in New York von den vorhergegangenen! Auf der Gründungskonferenz in San Franzisko glichen die Gedanken der Vereinten Nationen menschheitsbeglückenden Träumen.

Offener Brief an Lex Ende

Zur „Sühne“ muß der ehemalige Chefredakteur des SED-Organs „Neues Deutschland“, Lex Ende, der aus der Partei ausgeschlossen wurde, in einem sächsischen Eisenwerk arbeiten.

Notizen

„Geist und Wort des Deutschen Ostens“ heißt eine Ausstellung, die vom 12. Oktober bis 12. November in Stuttgart von der Künstlergilde zusammen mit dem Verband heimatvertriebener Kulturschaffender, der Württembergischen Bibliotheksgesellschaft und dem Adalbert-Stifter-Bund gezeigt wird.

Die Schlinge der Erkenntnis

Daß die über seiner Rede stehende Frage weder Furcht noch Hoffnung wecken sollte, hat Carl Friedrich von Weizsäcker, der Göttinger Physiker, sogleich gesagt, als er in der Ersten Jahresversammlung der Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften in Köln auftrat.

Justiztragödie im Elsaß

Es ist die Justiztragödie einer westlichen Demokratie. – Dr. Robert Ernst, gebürtiger Elsässer, wurde Anfang 1946 in einem bayerischen Kriegsgefangenenlager verhaftet und sitzt seither in Untersuchungshaft zu Metz im Militärgefäng-Bis unter der Anklage, als französischer Staatsangehöriger Hochverrat begangen zu haben: er war zur Zeit der deutschen Besatzung Oberbürgermeister von Straßburg gewesen.

Meistersinger ohne Nürnberg

Es ist eine unbestreitbare Tatsache, daß die gesteigerte Bedeutung, die der Interpret, insbesondere der leitende, mit den gesteigerten Aufgaben seit dem Zeitalter Wagners gewonnen hat, die Redlichkeit seines Verhältnisses zu diesen Aufgaben ständig in Versuchung führt.

Furcht vor der Öffentlichkeit

Daran hat sich, trotz redlicher Bemühungen, auch nach dem Kriege nichts geändert. Wer sich bei uns um die öffentlichen Dinge kümmert, wer etwas auf eine öffentliche Meinung gibt, kurz wer in die Öffentlichkeit geht, ohne darin ein „Amt“ zu haben (aber auch wer ein solches hat), geht immer ein wenig „auf die Straße“.

Gegen die „Ketzer der Aktion“

Die von Papst Pius XII. am 23. September erlassene Adhortatio ad Clerum universum (nach der italienischen Übersetzung im Osservatore Romano: „Ermahnung an den Klerus der katholischen Kirche über die Heiligkeit des Priesterlebens“) ist nicht nur eine Ermahnung an die katholische Priesterschaft, sondern an alle diejenigen Katholiken, die bisher glaubten, in der „angewandten Religion“, also in der Übertragung des Christentums auf das soziale und politische Gebiet, Christus mehr zu dienen als in der inneren Seelenandacht.

Die Stimme Andalusiens

Als Salvador Dali Mitte der zwanziger Jahre in seine spanischen Mondlandschaften kartenspielende Skelette malte oder radfahrende Muscheln mit Menschengesichtern in die sonnenfahlen Strandweiten seines heimischen Katalonien, war er befreundet mit dem Andalusier Federico Garcia Lorca.

Zivilcourage

Daß bei Auktionen von Kunstwerken und altenBüchern die deutschen Bieter gegenüber den amerikanischen an Nachteil kamen, war oft zu beobachten.

Kunstbegünstigung rechtswidrig

Zuweilen soll selbst die Steuerverwaltung menschlichen Regungen zugänglich sein. Geradezu erstaunlich aber ist es, wenn sogar der Kunst wohlwollend gedacht wird in jenen Bereichen, die sonst nur die Kunst der Steuereintreibung pflegen.

Geplante Minderwertigkeit

Mit einem oft zitierten Ausspruch hat Stalin Selbstkritik als unentbehrliche Grundlage der Kommunistischen Partei bezeichnet.

Rumpfparlament der Philosophen

Schon Hegel ließ sich nicht gern unterbrechen. Aber ihn zu unterbrechen, wäre an fast jeder Stelle ein Verlust gewesen. Auf dem Dritten Deutschen Kongreß für Philosophie in Bremen vom 1.

Was ist bei Bosch zu entflechten?

Die Besatzungsmächte hatten bald nach Kriegsende über das Gesetz Nr. 56, „Verbot der übermäßigen Konzentration deutscher Wirtschaftskraft“, die „Dekartellierung“ aller Firmen, die mehr als 10 000 Mann beschäftigen, vorgesehen.

Deutsche Wagen in Paris

Die französische Metropole steht in diesen Tagen im Zeichen der Internationalen Automobil-Ausstellung. In 1100 Ständen liegen 68 Automobilfabriken miteinander im Wettbewerb.

Die elf Punkte von Bonn

Es gibt wieder ein neues Wirtschaftsprogramm, mit elf Punkten diesmal. Nicht alle davon sind neu, so insbesondere nicht der Punkt eins, der eine Beibehaltung einer vorsichtigen Kreditpolitik empfiehlt.

Wandergeld

Heißes Geld ist wieder einmal unterwegs. Heute wie damals, 1931, muß man zwei Motive für die Wanderungen unterscheiden: die Angst vor Kriegen und Konflikten, also ein „Rettungsmotiv“, und die Sucht nach schnellen Gewinnen aus anderer Leute Dummheiten oder Sorgen, eine Sucht, die ein führender englischer Bankier schon vor dem Kriege brutal aber richtig als „Aasgeiermotiv“ kennzeichnete.

Versicherungs-Bedenken

Der von der „Studiengemeinschaft für die Erweiterung der sozialen Arbeitnehmerfürsorge auf, privatrechtlicher Grundlage“ entwickelte Berkenkopf-Fels-Plan zur Ertragsbeteiligung der Arbeitnehmer, in Form einer neuartigen Lebensversicherung, ist von Sachverständigen der Versicherungsnehmerseite eingehend überprüft worden.

Was für das Verbund-Prinzip spricht

Die vielfältigen Erörterungen über die übernationale Zusammenfassung von Kohle und Eisen im Rahmen des Schuman-Plans haben die Fragen der Neuordnung der deutschen Grundindustrien für die breitere Öffentlichkeit etwas in den Hintergrund treten lassen.

„Sozialtourismus“

Während Nordrhein-Westfalens Wirtschafts-und Verkehrsminister Dr. Sträter anläßlich der Jahrestagung des Bundes Deutscher Verkehrsverbände in Köln mit großer Beredsamkeit die Bedeutung und Förderung des Fremdenverkehrs im Lande Nordrhein-Westfalen preisen konnte, setzte sich Hamburgs Bürgermeister Brauer mit den sozialen Problemen des Fremdenverkehrs auseinander, nachdem eine stattliche Reihe mehr oder weniger wichtiger Begrüßungsansprachen die Rolle des Fremdenverkehr als Devisenbringer, als binnenwirtschaftliche und außenpolitische Aufgabe dargestellt hatte.

Penicillin aus Höchst

Bei der neuen Großanlage für die Herstellung von Penicillin, die von den Farbwerken Höchst, vormals Meister, Lucius & Brüning, errichtet wurde, handelt es sich um einen der größten und modernsten Betriebe zur Penicillinherstellung in Europa.

Jetzt: Preiseinbrüche

Die EntscheiddMiig der Rüstungsländer, ihre militärischen Ausgaben mehr durch Steuern als durch die Notenpresse zu finanzieren (s „Die Zeit" vom 5. Okt.

Loch an der Adria

Als Teil Berna, der Direktor des Verbandes der amerikanischen Maschinenindustrie, kürzlich in einer Rede in Cleveland europäische Länder beschuldigte, daß sie aus den ihnen zur Verfügung gestellten ERP-Krediten durch Lieferungen an die UdSSR deren Aufrüstung unterstützen, nannte er neben Frankreich und Deutschland auch Italien.

Jubiläen und Jubilare

Am 2. Oktober konnte die Firma Carl Greite, Hamburg-Altona, Juliusstr. 25, das 50jährige Bestehen feiern. Das Unternehmen gehört zu den bedeutendsten Firmen des pharmazeutischen Großhandels in Westdeutschland.

Berlin wirbt für seinen Export

Die bewundernswerte Dokumentation seines Lebenswillens, die Berlin mit der „Deutschen Industrie-Ausstellung 1950“ vor der gesamten Welt darlegt, hat eine immer stärker werdende Anziehungskraft: in den Ausstellungshallen hört man die Sprachen aller Völker.

AEG auf Vorkriegs-Niveau

Zu den repräsentativen Ausstellungsständen, die auf der Deutschen Industrie-Ausstellung am Fuße des Funkturms zu jeder Stunde von Besuchern umlagert sind, gehören in erster Linie auch die Stände der AEG.

Neue Produktion

Das Argo-Motorschiff „Falke“ (1495 BRT) verließ in der vergangenen Woche den Hamburger Häfen zu seiner Jungfernreise nach Hull.

Ein Buch klärt auf

Das Verteidigungsministerium der Vereinigten Staaten meint, daß nichts schlimmer sei als ratlose Angst. Und deshalb soll die Bevölkerung aufgeklärt werden.

Das Leben ohne Not und Furcht

Wir bringen hier einen ebenso amüsanten wie durchaus ernsthafter Überlegung würdigen Abschnitt aus dem Buch von J. B. Priestley Midnight on the Desert“ (Eindrücke und Gedanken eines Amerika-Aufenthalts), das bisher in Deutschland nicht erschienen ist.

Die letzten Schleier fallen

Vor einigen Tagen hat die Belgrader Regierung das Tragen des Schleiers in Bosnien-Herzegowina verboten. Das Landesparlament in Sarajewo faßte einen entsprechenden Entschluß.

Ein Maler mit wuchernder Phantasie

Sein voller Name ist: Melle Johannes Oldeboerrigter. Früher war er Typograph in einer Amsterdamer Zeitungsdruckerei. Vor etwa fünfzehn Jahren begann er nebenbei zu zeichnen und zu malen.

Ein Faustus unserer Tage

Am 12. Oktober wäre Aleister Crowley 75 Jahre alt geworden; er starb 1947 in London. Sein Lebensweg, der in Leamington, Mittelengland, begann und nicht nur kreuz und quer über unseren Planeten, sondern auch durch alle Winkel, Wirrnisse und Weihen magischen Konquistadorentums wetterleuchtete, mutet wie ein großes, grelles Autogramm in der Chrorique scandaleuse des Diesseits und des Jenseits an.

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