an. Rom, Anfang Oktober

Als Teil Berna, der Direktor des Verbandes der amerikanischen Maschinenindustrie, kürzlich in einer Rede in Cleveland europäische Länder beschuldigte, daß sie aus den ihnen zur Verfügung gestellten ERP-Krediten durch Lieferungen an die UdSSR deren Aufrüstung unterstützen, nannte er neben Frankreich und Deutschland auch Italien. Hier war man sehr erstaunt über diese Beschuldigung, und man fragte sich, woher der Amerikaner seine Weisheit haben könnte. Als nachgeforscht wurde, entdeckte man wirklich ein ziemlich anrüchiges Milliardengeschäft. Es wurde allerdings nicht von Italien sondern von Triest aus durchgeführt und enthielt gleich eine ganze Reihe kommerziell-politischer Pikanterien, zudem aber auch ein lehrreiches Beispiel für die augenblicklichen Zustände auf dem europäischen Industriemarkt.

Eine Schweizer Firma bestellte bei Triestiner Werftunternehmungen Schiffsmaschinen im Betrage von 1 Mrd. Lire. Der willkommene Auftrag wurde angenommen und die zuständigen Stellen erteilten die Ausfuhrbewilligung. Dann ergab sich allerdings, daß die Schweizer Firma nur als Kommissionär aufgetreten war und die Maschinen – nach Polen zu liefern seien. So geschah es auch. Dann kam die zweite Überraschung dieses "europäischen" Geschäftes: Die Milliarde wurde bezahlt, doch weder von der Schweiz noch von Polen ‚ sondern von der Tschechoslowakei die aber auf der Annahme von Kompensationslieferungen an Stelle der Barzahlung bestand. Und wenn seit kurzer Zeit überall in Italien auffallend viel echtes Pilsner Bier angeboten wird, so haben dies die Italiener nur dieser komplizierten, aber immerhin kommerziell bedeutenden "Beihilfe zur Aufrüstung der Sowjetunion" zu danken; denn daß die eigentlichen Träger des Geschäftes weder die Schweizer Besteller, noch die polnischen Empfänger oder die tschechischen Bezahler waren, sondern daß sie sich weit ostwärts der Weichsel befinden, ist heute ziemlich klar.

Nun aber kommt die letzte Frage und damit de Pointe der ganzen Geschichte: Wer ist der Schuldige an diesem obskuren west-östlichen Mlliardengeschäft? Doch offenbar derjenige, der die Genehmigung zum Abschluß und zur Ausfuhr erteilt hat Das ist aber eine Amtsstelle der Alliierten Militärregierung in Triest, die allein die Ausfuhrbewilligungen erteilen kann. Wenn also aus Amerika der Vorwurf kommt, Europa unterstüze mittels Lieferungen die Aufrüstung der UdSSR, dann trifft er in diesem Falle einzig mit allein – amerikanische Offiziere. Und darin liegt die eigentliche Moral der ganzen Geschichte.