Von unserem Berliner Korrespondenten

K. W. Berlin, im Oktober

Am 7. Oktober 1950 war ein Jahr seit dem kommunistischen Staatsstreich in der Sowjetzone vergangen. Eine Woche später sollen ihm die Scheinwahlen vom 15. Oktober das Ansehen einer Legitimation durch die Wähler geben. Die kommende Abstimmungsfarce entspricht genau der politischen Praxis, mit der die "Deutsche Demokratische Republik" ein Jahr lang das Land zwischen Oder und Elbe mit den Methoden des Bolschewismus vergewaltigt hat.

Der Ministerpräsident der Ostrepublik Grotewohl hat am Jahrestag dieser denkwürdigen Staatsgründung gesagt: die Leistung der Ost-Regierung sei das Ergebnis eines ständigen Zwiegesprächs zwischen Volk und Regierung gewesen. Gerade als er dies am "Staatsfeiertag" der Sowjetzone erklärte, waren nicht weniger als 85 000 Ostberliner nach Westberlin gekommen, um sich dort die Industrie-Ausstellung anzusehen. Die interessierte sie mehr als das "schöpferische Zwiegespräch" zwischen der regierenden Funktionärsgruppe und den 18 Millionen Menschen der Sowjetzone, von dem Grotewohl schwärmte.

Man weiß auch, wie diese Regierung, die sich im 15. Oktober bestätigen lassen will, zustande gekommen ist. Nicht einmal die Regierungsmitglieder sind gewählt worden. Die bürgerlichen Parteien der Sowjetzone, die seit Jahren auf die fällige Wahl warteten, wurden mit sowjetischer, Hilfe und sowjetischen Versprechen auf den 15. Oktober 1950 als endgültigen Wahltermin vertröstet. Einige Ministerposten in der Regierung sollten sie für die Wartefrist entschädigen. Sie nahmen an und bekamen so unwichtige Ressorts, wie das Post- und Verkehrsministerium, Dem CDU-Mann Dertinger aber wurde als Außenminister ein SED-Staatssekretär beigegeben...

Und schließlich weiß man, wie es in diesem Staat mit der Freiheit des einzelnen bestellt ist; was die "demokratische" Regierung der Ostzone unter "freier" Meinungsäußerung versteht und was denen passiert, die nicht dasselbe darunter verstehen...