G. R. R. Paris, im Oktober

Das Verkehrsamt der Stadt Berlin hat eine Werbebroschüre herausgegeben, die auf deutsch den Titel trägt: "Eine der interessantesten Städte Europas: Berlin". Und mit Hilfe eines wahrscheinlich sehr schlechten Wörterbuches wurde dieses Werk nun in eine Sprache übersetzt, von der man fälschlich annimmt, sie sei französisch. Auf den ersten beiden Seiten des Textes haben wir bei einem oberflächlichen Studium 26 stilistische, grammatikalische und orthographische Fehler gefunden, die in ihrer unfreiwilligen Komik manchmal kaum zu überbieten sind. Wenn man dann zurückübersetzt, ergibt sich zum Beispiel Folgendes (es ist vom Brandenburger Tor die Rede): "Von der Quadrille von früher ist ein einziges Pferd übriggeblieben, aber die ernste Pumpe seiner klassischen Konstruktion ist immer noch schlagend." – Solche Beispiele kann man viele finden, und die Sache wäre komisch, wenn sie nicht so ernst wäre. Da hat also nun die Stadt Berlin viele Tausende dieser Broschüren in "französischer" und auch in "englischer"’ Sprache drucken lassen, und, im Vertrauen sei’s gesagt, das Englisch ist genau so wenig englisch wie das Französisch französisch ist. Es ist nicht nur das verschwendete Geld zu bedauern, viel katastrophaler ist der psychologische Eindruck. Denn den Eindruck, den eine Broschüre mit dem Titel "Paris wo ist das interessanteste Stadt" auf einen Deutschen machen würde – eben diesen Eindruck macht "La ville, une des plus intéressantes de l’Europe" auf einen Franzosen.

Haben denn die in Berlin keine Franzosen? Keine Engländer? Nur Russen? Gott sei Dank nicht. Aber beim Lesen der Broschüre möchte man es fast glauben.